Der bedeutende Schweizer Flötist Peter-Lukas Graf ist am 31. Dezember 2025 verstorben. Darüber wurde bereits vielfach berichtet und sein jahrzehntelanges Wirken als Musiker gewürdigt. Wir erinnern uns mit den Worten seines Schülers Franco Cesarini an ihn, der ihn bis zuletzt regelmässig besucht hat.
Peter-Lukas Graf ist am letzten Tag des Jahres 2025 verstorben, nur wenige Tage vor seinem 97. Geburtstag; geboren wurde er am 5. Januar 1929. Sein Studium hat er 1949 als Schüler von Grössen wie André Jaunet, Marcel Moyse und Roger Cortet in Paris abgeschlossen und anschliessend Dirigieren studiert. Letzteres wäre die Laufbahn gewesen, die er eigentlich hätte einschlagen wollen. Sein aussergewöhnliches Talent als Instrumentalist sowie der Sieg beim Internationalen ARD-Wettbewerb in München führen jedoch fast unvermeidlich dazu, dass er sein Leben als Solist der Flöte widmet.
Von 1973 bis 1994 wirkt er als Professor für Flöte an der Musikhochschule Basel. Auch nach seiner Pensionierung setzt er seine pädagogische Tätigkeit fort und leitet zahlreiche internationale Meisterkurse. Die Disziplin, die er von seinen Schülerinnen und Schülern einforderte, entsprach jener, die er auch an sich selbst stellte: So probte er bis wenige Monate vor seinem Tod regelmässig.
Zu seinen Basler Schülern zählte auch Franco Cesarini, eine bekannte Persönlichkeit der internationalen Blasmusikszene. Ihn haben wir um eine Würdigung des Musikers gebeten.
Franco Cesarini, welchen Einfluss hatte Peter-Lukas Graf auf die Schweizer und internationale Musikszene?
Während seine Solokarriere im Wesentlichen dazu beitrug, die Flöte als führendes Soloinstrument in einer Zeit zu etablieren, in der diese Rolle fast ausschliesslich der Violine und dem Klavier vorbehalten war, wirkte sich seine pädagogische Arbeit entscheidend auf die Qualitätsentwicklung des Unterrichts an den Schweizer Konservatorien aus. Er hob diesen auf ein internationales Niveau.
So brachte er eine Kultur der Exzellenz nach Basel, die bis anhin fast nur in Paris anzutreffen war, und führte neue Kompetenzen sowie eine erfrischende künstlerische Mentalität ein.
Foto: Gentile concessione di Franco CesariniWelche persönliche Erinnerung wird Ihnen bleiben? Welche Rolle spielte Peter-Lukas Graf in Ihrem Leben?
Er war ein sehr fordernder Lehrer, der das kompromisslose Erlernen des Instruments stets an die erste Stelle setzte. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine kleine Anekdote: Nachdem ich mir damals die linke Hand durch einen Sturz beim Sport verletzt hatte, rief ich ihn an, um ihm mitzuteilen, dass ich nicht zum Unterricht kommen könne. Er antwortete darauf nur trocken: «Das ist dir sicher nicht beim Flötenspiel passiert!» Dies war seine ironische und zugleich strenge Art, mich daran zu erinnern, was es wirklich bedeutet, sich diesem Beruf mit voller Hingabe zu widmen.
Sein Schüler zu werden, war für mich von grundlegender Bedeutung. Als junger Mensch hatte ich viele Selbstzweifel, insbesondere in Bezug auf meine künstlerische Begabung. Der Eintritt in seine Klasse und sein stetiger Zuspruch halfen mir, zu erkennen, dass ich tatsächlich über entsprechende Fähigkeiten verfügte. Auch aus diesem Grund hat meine Verbundenheit mit ihm nie nachgelassen.