Amor & Echo: Ausstellung historischer Blasinstrumente

Zeichnung «Amor-Schall»
«Amor-Schall», Zeichnung von ca. 1766

Beitragsbild: Zeichnung: Ferdinand Kölbl

«Amor und Echo, Erfindungen für Musikinstrumente» heisst die neue Sonderausstellung des Klingenden Museums Bern. Dies ist das Museum der Blasinstrumente und Trommeln, u. a. basierend auf den Sammlungen von Karl Burri und der Firma Hirsbrunner in Sumiswald. Es liegt mitten in Bern, beim Zytglogge.

«Amor und Echo» – ein merkwürdiger Titel … Echo ist ja noch naheliegend, ein ur-musikalisches Phänomen, das in vielen Kompositionen aufscheint. Und es gibt extra Echo-features für Blasinstrumente. Die Ausstellung zeigt einige davon, wie Echo-Cornet, Sudrophon und Duplex Euphonium. Amor hingegen verweist auf die historischen «Amore»-Instrumente, die einen «lieblichen» Klang produzierten, zum Beispiel Oboe d’amore oder Flauto d’amore. In der Ausstellung wird das Horn «Amor-Schall» (vgl. Bild) thematisiert: eine Zeichnung von ca. 1766 zeigt ein Horn mit gedecktem und mit Löchern durchbrochenem Schallstück, um den Amore-Klang hervorzubringen. Es sieht allerdings eher aus wie eine Taucherglocke.

Ein Ventil in einer der frühesten Formen …

Zu erkennen ist auf der Zeichnung aber zudem eine der frühesten Formen eines Ventils, das ist die eigentliche Sensation! 50 Jahre vor den ersten funktionierenden Ventilen und 70 Jahre vor dem Einzug erster Ventilinstrumente in die Militärmusik.

Zeichnung «Amor-Schall» Foto: Zeichnung: Ferdinand Kölbl
«Amor-Schall», Zeichnung von ca. 1766

Das «Amor-Schall» ist leider nicht erhalten. Vielleicht war es seiner Zeit zu sehr voraus. Damals waren Naturhörner mit Steckbögen die grosse Novität. Dass man die Steckbögen gleich am Instrument fixieren und mittels einer Mechanik wechseln könnte, statt umzustecken, war in der Blechbläserwelt noch kein Thema. Oder vielleicht war das Instrument mit Spezialschallstück und dem ganzen Mechanismus einfach zu schwer, insbesondere da beide Hände die Ventile bedienen mussten und nicht frei waren, das Horn zu halten.

… und weitere, erfolgreichere Innovationen

Die Ausstellung in Bern zeigt einige erfolgreichere derartige Innovationen: Angefangen mit der Lure von 1000 v. Chr. über eine der ersten Bassklarinetten von ca. 1780 zu Ventilmechanismen des 19. Jahrhunderts (die dann wirklich funktioniert haben), bis hin zur im 21. Jahrhundert entwickelten, elektronisch gesteuerten Kontrabassklarinette «CLEX». Alle Instrumente werden in Filmclips klingend vorgestellt und in Interviews vermittelt.

Ein Museumsbesuch – Tipp für die nächste Vereinsreise!

Nebst «Amor & Echo» sind im Klingenden Museum Bern aktuell zwei weitere Ausstellungen zu sehen. Zudem können einige Instrumente selbst ausprobiert werden: Taragot, Rankett, römisches Cornu, Serpent, Ophikleide oder einfach das Alphorn.

Sicherlich ein lohnender Ausflug für Musikbegeisterte oder als Musikreise für den ganzen Verein! Zudem bietet das Museum Expertisen für alte Blasinstrumente an: jeweils am letzten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr.

Geöffnet ist das Museum von Mittwoch bis Samstag 14–17 Uhr und sonntags von 11–17 Uhr. Führungen sind ausserhalb der Öffnungszeiten möglich (z.B. Samstagvormittag oder -mittag); Preise, Info und Buchungen auf klingendes-museum-bern.ch.

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