Die in Österreich aufgewachsene Dirigentin Jennifer Tauder-Ammann will den Musikvereinen die Angst vor der volkstümlichen Blasmusik nehmen. Sie selbst ist auch in vielen anderen Sparten aktiv.
Die Blasmusik ist Jennifer Tauder-Ammann in die Wiege gelegt worden. Bereits als Siebenjährige lernte sie bei ihrem Vater Trompete. Dieser ist seit über 37 Jahren Kapellmeister – so kam auch der Wunsch, selbst zu dirigieren. Mit 17 Jahren hat sie am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium in Graz als Jüngste die Kapellmeister-Ausbildung abgeschlossen.
Dirigiert hat sie aber erst in der Schweiz. Im Rahmen des Erasmus-Programms kam sie zum Trompetenstudium nach Basel – und musste nebenher Geld verdienen. Inzwischen lebt sie schon fast 20 Jahre in der Schweiz.
Kapellmeisterin von Lublaska
Seit 2023 ist Jennifer Tauder-Ammann Dirigentin der Blaskapelle Lublaska, der amtierenden Schweizer Meisterin. Ein Amt, das zu ihr passt. Ihre Mission ist denn auch, den Musikvereinen die Angst vor dieser Art Musik zu nehmen. «Viele meinen, Blaskapellen seien nur für Ältere. Aber der Hype in Österreich (u. a. rund um das Woodstock der Blasmusik) zeigt, dass sich alle Altersgruppen angesprochen fühlen.»
Foto: zVgAm Instrument ist sie dagegen eine «Patchwork-Musikerin», wie sie selbst sagt. Sie spielt Trompete und Alphorn, traditionell und modern: Mit dem Hornroh Modern Alphorn Quartet beispielsweise ist sie weltweit unterwegs. Für die Formation hat Georg Friedrich Haas das Concerto Grosso No 1 geschrieben, das die Sinfonieorchester zwingt, sich mit der Obertonreihe auseinanderzusetzen.
«Wenn man für etwas brennt, sind grosse Erfolge möglich!»
Für Tauder war es ein Luxus, mit einer ganzen Familienmusik aufzuwachsen. Da wurden stundenlang Stücke ab Blatt gespielt und die Noten des Musikvereins vorbereitet. «Üben war immer aktives Spielen», so Tauder. Heute unterrichtet sie an der Musikakademie Basel – und legt auch bei den eigenen Schülerinnen und Schülern viel Wert auf das Ensemblespiel.
Der Spass steht dabei im Vordergrund. «Wenn man für etwas brennt, sind grosse Erfolge möglich», weiss Jennifer Tauder. Ein Beispiel sind die beiden Jugendorchester der Musikschule Basel, die innert zehn Jahren von acht auf 70 Kinder angewachsen sind. «Wenn man ihnen ein Stück schmackhaft machen kann, hängen sie sich viel mehr rein», ist sie überzeugt. Man muss dann nicht bis zur Generalprobe warten, bis es klingt.
Fan von Themen-Konzerten
Im Probenbetrieb stören sie vor allem die Absenzen. Denn das ist auch für Anwesende schwierig. Sie ist deshalb froh, ist das an der Musikschule und bei Lublaska anders. Tauder ist ein Fan von Themen-Konzerten. Sie findet, zumindest ein Teil eines Programms müsse einen roten Faden haben. So kann der erste Teil den Verein fordern und fördern (klassisch, Wettstück, Konzertmarsch), während nach der Pause das Publikum im Vordergrund steht (Show, externe Solisten, Sängerinnen, Tänzer, Sprecherinnen etc.).
Partituren bereitet sie übrigens am liebsten unterwegs im Zug vor. Das kommt aus der Zeit, als sie im Sinfonieorchester Bern gespielt hat. Auch heute noch hört sie sich gerne Aufnahmen verschiedener Interpreten an.
Foto: zVgPersönliches
- Ausbildung: Master in Pädagogik und Performance
- Instrumente: Trompete (Nebenfach Gesang), Alphorn, Dirigieren
- Vereine/Tätigkeit: Blaskapelle Lublaska (seit 2006 immer ein bis zwei Vereine)
- Highlight: Ein Adventskonzert des Musikvereins Aesch; der ganze Musikverein hat ein vierstimmiges österreichisches Weihnachtslied gesungen.