Vom 2. bis 6. Juli 2026 fand an der Hochschule der Künste Bern (HKB) die 28. Internationale Blasmusik-Konferenz der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB) statt.
Unter dem Motto «Wind Music – Cultural Heritage in Transition» versammelten sich internationale Forscherinnen, Forscher und Musikschaffende, um historische, soziokulturelle und künstlerische Aspekte der Blasmusik im Wandel der Zeit zu beleuchten. Unterstützt wurde die Tagung von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) sowie dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF).
Die Konferenz knüpft an das HKB-Forschungsprojekt «Das Hundwil-Konvolut als Quelle zur Genese der Blasmusik in der Schweiz» unter der Leitung von Adrian von Steiger an, über das im unisono bereits berichtet worden ist.
Blasmusik als Bindeglied in der Gesellschaft
Zur Eröffnung sprachen Vertretungen der Gastgeber- und Fachverbände. Die Konferenz eröffneten Martin Skamletz, Leiter des Instituts Interpretation der HKB, die Präsidentin des Schweizer Blasmusikverbands Luana Menoud-Baldi, Aldo Werlen vom Kompetenzzentrum Militärmusik sowie IGEB-Präsident Damien Sagrillo. Sie unterstrichen in ihren Begrüssungsworten die verbindende Rolle der Blasmusik in der Gesellschaft und ihre wissenschaftliche Relevanz.
Foto: Daniel AllenbachEin Höhepunkt folgte sogleich mit der Verleihung des IGEB Research Award 2026 an Eamonn O’Keeffe für seine herausragenden Forschungen über britische Militärmusiker zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Maciej Kierzkowski wurde für seine Aufarbeitung polnischer Blaskapellen ausgezeichnet.
Vielfältige Referate
In den darauffolgenden Tagen entfaltete sich ein dichtes und facettenreiches Vortragsprogramm, das in zwei parallel bespielten Sälen ausgetragen wurde. Das Themenspektrum spannte einen weiten Bogen von historischen Analysen bis hin zum Einfluss neuer Technologien.
Die Referentinnen und Referenten stellten neue Erkenntnisse etwa zum historischen Instrumentenbau, der Rolle der Blasmusik bei der Bildung nationaler Identitäten sowie der Entwicklung des Repertoires in den vergangenen zweihundert Jahren vor.
Foto: Daniel AllenbachRahmenprogramm mit herausragenden Begleitkonzerten
Ein hochkarätiges Konzert- und Rahmenprogramm begleitete die Konferenz. Auf das Eröffnungskonzert des Militärspiels Heer folgte am Freitagabend eine Rekonstruktion historischer Blasmusik mit dem Ensemble La Banda Storica im Konservatorium Bern, wo historische Werke auf Originalinstrumenten erklangen.
Foto: Daniel AllenbachAm Samstag begeistert das italienische Orchestra Fiati di Valle Camonica mit der Uraufführung von Máté Hollós’ Werk «Hidden History». Der Sonntag war dem sozialen Austausch unter dem Teilnehmenden gewidmet.
Foto: Daniel AllenbachBei Führungen im Klingenden Museum tauchten die Teilnehmenden in die Anfänge der Schweizer Blasmusik ein, erprobten in Workshops das Alphornblasen oder genossen beim Conference Dinner im Rosengarten den Panoramablick über die Berner Altstadt. Den feierlichen Schlusspunkt setzte am Montag ein gemeinsames Freiluftkonzert des Luftwaffenmusikkorps Erfurt und des Militärspiels Heer.
Fünf Tage voller neuer Impulse machten deutlich, dass sich die junge Fachdisziplin der Blasmusikforschung schnell und optimistisch entwickelt, aber auch stets den Austausch mit Orchestern sucht und sich nahe an der Praxis bewegt.