Ganze drei zusätzliche Stuhlreihen waren nötig, damit am Konzert der CANNY BRASS im Gemeindesaal in Buchs anfangs November 2025 alle Zuhörerinnen und Zuhörer einen Sitzplatz finden konnten.
Rückblick auf ein gehaltvolles und anspruchsvolles Konzert der überregionalen Brass Band, die jeweils im Herbst zwei Konzerte spielt.
Vom pathetischen Marsch zur fröhlichen Ouvertüre
Die Komposition «Cross of Honour» von William Rimmer ist ein schmissiger Marsch. Er thematisiert ein Verdienstkreuz. Im militärischen Kontext wird ein solches an Soldaten verliehen, die sich aufgeopfert haben. Musikalisch wird dies damit unterstrichen, dass der Marsch in den ersten beiden Teilen spannungsvoll in Moll komponiert ist. Im dritten Teil löst sich diese Spannung mit dem Wechsel zur F-Dur auf.
Geradezu fröhlich wirkte darauf die «Romantische Ouvertüre», die der Komponist Stephan Jaeggi aus dem solothurnischen Fulenbach kurz nach dem 2. Weltkrieg geschrieben hatte. Sie kontrastiert stilistisch auffällig zum pathetischen «General-Guisan-Marsch», den Jaeggi als Sieger in einem Kompositionswettbewerb bei Kriegsbeginn veröffentlichen durfte. Dirigent Hans Nigg drückte dieser Ouverture mit einer stilsicheren Interpretation seinen persönlichen Stempel auf.
Foto: zVgZwischen Tragik, Virtuosität und Humor
Mit der Hymne «Gresford» von Robert Saint bewies die CANNY BRASS, dass sie auch eine tragische Thematik brillant meistern kann. Die Hymne erinnert an ein schweres Grubenunglück in Nord-Wales im Jahr 1934, bei dem 266 Bergleute ums Leben kamen.
«Frolic for Trombones» bedeutet: «Ein Scherz für Posaunen». Das Solo für das Posaunenregister war tatsächlich unterhaltsam, aber auch anspruchsvoll. Es wurde von den Solisten so brillant gemeistert, dass das Publikum mit anhaltendem Applaus eine Zugabe forderte.
Dass Joseph Strauss auch Kompositionsaufträge entgegennahm, verriet die anschliessend interpretierte Polka. Strauss komponierte diese im Auftrag einer Firma, die Tresore herstellt. Solo-Instrument ist ein Amboss, den der Schlagzeuger der CANNY BRASS effektvoll zu schlagen verstand.
Foto: zVgEin fulminanter Start in den zweiten Konzertteil
Nach der Pause, die vom Publikum zu einem regen Austausch genutzt wurde, eröffnete die Band den zweiten Konzertteil schmissig mit dem Stück «Prismatic Light», komponiert vom Schotten Alan Fernie. Das Publikum liess sich von diesem Sound-Feuerwerk sogleich mitreissen.
Ebenso lebhaft und souverän interpretierten die drei Solo-Kornettisten das anschliessende Cornet-Trio «Bugler’s Holiday» von Leroy Anderson. Aber auch die 30 begleitenden Musiker waren beim angeschlagenen Tempo gefordert, zeigten jedoch keine Schwächen.
Foto: zVgDer kanadische Sänger und Komponist Leonard Cohen hatte mit zahllosen Eigenkompositionen internationalen Erfolg, aber auch mit Arrangements von bestehenden Liedern. Von diesen wählte die CANNY BRASS seine Bearbeitung von «Hallelujah» aus. Dessen emotionale Stimmung berührte das Publikum spürbar und setzte einen Kontrapunkt zu den lebhaften vorausgehenden Titeln.
Glamouröse Klänge und ein würdiges Finale
Der russisch-stämmige Komponist Irving Berlin schuf mit dem Titel «Putting on the Ritz» einen sehr rhythmischen Song, der die glamouröse Stimmung im New Yorker Hotel Ritz wiedergeben sollte. Das Nobel-Hotel wurde bekanntlich vom Oberwalliser Cäsar Ritz gegründet.
Die Songs der schwedischen Familien-Band ABBA inspirierten Alan Fernie zu einem Arrangement. Sieben ABBA-Songs richtete er effekt- und stilvoll für Brass Band ein. Das zeigte auch das Publikum mit seinem begeisterten Applaus.
Den Abschluss des Programms bildete der «Triumph-Marsch» des Zürcher Komponisten Hans Heusser. Dieser inspirierte den britischen Komponisten Ray Woodfield zu einem Arrangement für Brass Band, das die CANNY BRASS wie alle anderen Titel überzeugend interpretierte.
Foto: zVgEin stimmungsvoller Abschluss und viel Applaus für die Moderation
Es war keine Überraschung, dass das Publikum danach eine Zugabe verlangte. Diese erfolgte in Form der ursprünglich für Dudelsack komponierten Melodie «Highland Cathedral». Die drei Euphonisten trugen sie stimmungsvoll in den vollen Saal hinaus.
Das ganze Konzert wurde – wie seit über zehn Jahren – von Helen Gloor moderiert. Mit grosser Fachkenntnis, Charme, Einfallsreichtum und Witz verlieh sie dem Konzert einen einzigartigen Touch. Sie umrahmte die Konzerttitel mit originellen und unterhaltsamen Geschichten, wofür sie vom Publikum mit einer zusätzlichen Ovation gewürdigt wurde.
Über die Handschrift von Hans Nigg
Eine derart überzeugende Performance ist nur mit einem musikalischen Leiter denkbar, der die aufgeführten Werke kompetent und stilsicher zu interpretieren weiss. Hans Nigg schafft es auch, das Potenzial, das offenbar in den Bandmitgliedern steckt, maximal auszuschöpfen. Dies setzt nicht nur eine brillante musikalische Kompetenz voraus, sondern auch pädagogisches Fingerspitzengefühl.
Darüber verfügt Hans Nigg sicht- und hörbar. Davon zeugen die zahlreichen Rückmeldungen aus dem Publikum während des im Anschluss offerierten Aperos.
Foto: zVg