Der Freiburger Stéphane Delley dirigiert und bildet Dirigenten aus. Nach seiner Meinung braucht jedes Konzert einen roten Faden.
Er wollte immer dirigieren – sogar schon als kleines Kind. Warum? Das weiss Stéphane Delley nicht mehr. Der Vater hat zwar Tanzmusik gemacht, aber Stéphane ist der erste Dirigent in der Familie. Ihn fasziniert der Klang des Blasorchesters – und vor allem der Farbenreichtum, der so mitreissend ist.
Delley hat am Konservatorium Freiburg Trompete studiert und sich zum Dirigenten ausbilden lassen – übrigens in der allerersten Klasse von Jean-Claude Kolly. Später studierte er Musikwissenschaften an der Universität Freiburg und besuchte Meisterkurse bei Douglas Bostock, Jan Cober und Eugene Corporon. Beruflich ist er heute am Konservatorium Freiburg in der Dirigierausbildung tätig (Amateure und Pre-College).
«Es gibt Aspekte, die schwierig zu unterrichten sind»
Die Ausbildung hat er stets als spannend empfunden und genossen. Während der Ausbildung hat er jedoch die Arbeit mit einem Orchester vermisst, wie es an amerikanischen Hochschulen üblich ist. Was in jungen Jahren zudem fehlt, ist die Erfahrung, so Delley: «Wir sprechen mit den Schülerinnen und Schülern über viele Aspekte – auch ich, heute im Unterricht. Themen wie das soziale Gefüge im Verein oder das Verhältnis Präsident/Mitglieder sind aber nur schwer zu unterrichten.»
Jeder Dirigierende muss seine eigenen Erfahrungen machen können. Auch er habe beim ersten Verein einige Sachen nicht gut gemacht, erinnert sich Delley. Diese Erkenntnisse helfen ihm heute. In den ersten Proben ist ihm zuerst wichtig, dass Noten und Rhythmus stimmen. Darauf lassen sich Themen wie Dynamik, Phrasierung und Klang aufbauen. Persönlich will er eine Gestik entwickeln, mit der er zeigen kann, was der Komponist will.
«Kurze Konzerte zu programmieren, ist wichtig»
Als störend empfindet er im Vereinsleben die Absenzen. Der Dirigent oder die Dirigentin müsse aber immer gute Arbeit leisten, auch wenn viele Mitglieder fehlen. Manchmal sei es auch schwierig, wenn sich der Verein zu wenig gut vorbereitet hat und man in der Probe nicht weiterkommt.
Für Delley ist es wichtig, kurze Konzerte zu programmieren. Er hat die Erfahrung gemacht, dass das Publikum seit Corona nicht mehr allzu lange zuhören will. Eine Stunde Musik bzw. zwei Stunden Konzert reichten aus. Delley sagt von sich, er sei sehr offen für ein Themenprogramm. Ob mit oder ohne Thema, ein Programm muss eine innere Logik haben, einen roten Faden: «Du spielst ein Stück immer aus einem bestimmten Grund.»
«Nicht traurig, aber sehr emotional»
Besondere Momente erlebte Delley im letzten Jahr im Wallis: Mit dem Blasorchester Sion hat er das kantonale Musikfest in der 1. Klasse Harmonie gewonnen. Danach folgte am 1. Dezember in der Kathedrale von Sion das letzte gemeinsame Konzert – laut Delley war die Atmosphäre «nicht traurig, aber sehr emotional». Seit Anfang Jahr dirigiert er nun als Nachfolger von Jean-Claude Kolly die Concordia Freiburg.
Zudem ist Stéphane Delley Präsident von Wasbe Schweiz. Die weltweite Organisation fördert die originale Blasmusik. Delley findet das sehr interessant, weil jedes Land seine eigene Kultur hat, wie er zuletzt im Juli 2024 in Korea erfahren hat. Mit dieser Erfahrung im Rücken sagt er: «Wir müssen im Ausland noch viel mehr Werbung machen für unsere Komponistinnen und Komponisten. Wir haben nämlich ein unglaublich gutes Repertoire.»
Foto: zVgPersönliches
- Ausbildung: Lehrdiplom, Ausbildung zum Dirigenten und Musikwissenschafter
- Instrument: Trompete
- Vereine: Harmonie de Sion (2005–2024), Brass Band de Treyvaux (seit 2013), Harmonie La Concordia de Fribourg (seit 2025)