Die Vorbereitung für den Erfolg am EMF beginnt zuhause

Klarinettist bei dem symbolisch die neuronale Verbindung zwischen Gehirn und Fingern dargestellt wird; im Hintergurnd ein Notenständer mit Noten und ein Metronom

Beitragsbild: Mark Baumgartner

Das Eidgenössische Musikfest in Biel verlangt höchste Präzision – nicht nur vom Ensemble, sondern von jedem einzelnen Musizierenden. Wer zu Hause systematisch und zielgerichtet übt, hat am Festtag deutlich bessere Karten.

In diesem Fachbeitrag konzentriert sich der Autor auf zwei entscheidende Säulen der individuellen Vorbereitung: Fingertechnik und Rhythmus. Beide Bereiche lassen sich hervorragend allein trainieren und sind der Schlüssel zu sauberer, entspannter und musikalischer Spielpraxis unter Wettbewerbsbedingungen.

1. Fingertechnik – Vom Gehirn in die Finger: So entsteht Präzision

Jede technisch anspruchsvolle Passage – sei es eine schnelle Laufpassage, eine schwierige Klappen- oder Ventilfolge oder eine heikle Doppelzunge – ist in erster Linie ein neurologischer Prozess. Zwischen Gehirn und Fingern existiert ein enges neuronales Netzwerk. Bei jedem Ton, den wir spielen, feuern Nervenzellen Signale an die entsprechenden Muskeln. Je öfter wir eine Bewegung korrekt ausführen, desto stärker und schneller wird diese Verbindung (Neuroplastizität).

Das bedeutet: Fehler, die man schnell einübt, verfestigen sich genauso wie korrekte Bewegungen. Deshalb ist der wichtigste Grundsatz beim Techniktraining: Langsam üben, bis es perfekt ist – dann erst steigern.

Querflötistin bei der symbolisch die neuronale Verbindung zwischen Gehirn und Fingern dargestellt wird; im Hintergrund ein Metronom Foto: Mark Baumgartner

Praktischer Trainingsablauf für technisch schwierige Stellen:

  1. Analyse: Markiere die kritische Passage im Notentext
    (max. 1–2 Takte). Schreibe dir bei Bedarf sogar auf, welche Finger/Klappen/Ventile in welcher Reihenfolge kommen und wo potenzielle «Fallen» lauern (z. B. Wechsel von 1-3 zu 1-2-3).
  2. Langsam perfekt: Beginne mit einem Tempo, in dem du jede Note absolut sauber, entspannt und rhythmisch korrekt spielst – auch wenn es sich «lächerlich langsam» anfühlt (oft 40–60 BPM für Achtel- oder Sechzehntel-Passagen). Achte auf:
    – Gleichmässigen Luftstrom
    – Entspannte Handhaltung (kein Verkrampfen)
    – Präzisen Fingeransatz ohne «Hämmern»
  3. Perfektion als Massstab: Erst wenn die Passage bei diesem langsamen Tempo 5–10 Mal hintereinander absolut fehlerfrei, musikalisch und ohne Anspannung gelingt, erhöhe das Tempo um nur 4–8 BPM. Wiederhole das Spiel «langsam perfekt».
  4. Tempo steigern: Arbeite dich schrittweise bis zum gewünschten Tempo vor. Die meisten Musizierenden machen den Fehler, zu früh zu schnell zu üben. Das führt zu verkrampften Bewegungen und festgefahrenen Fehlern, die später nur schwer wieder herauszubekommen sind.

Tipp für Fortgeschrittene: Nutze die «Chunking-Methode»: Teile die Passage in kleinste sinnvolle Einheiten (2–4 Noten), übe diese perfekt, dann verbinde sie. So trainiert das Gehirn nicht nur die Einzelbewegungen, sondern auch die Übergänge – genau das, was am Festtag zählt.

2. Rhythmus – Metronom als bester Freund und strenger Lehrmeister

Rhythmische Stabilität ist beim Eidgenössischen Musikfest mindestens genauso entscheidend wie technische Sauberkeit. Ein Ensemble, das rhythmisch «wackelt», klingt sofort unsicher – egal wie sauber die Töne sind.

Das Metronom ist dabei das wirksamste Trainingswerkzeug, das du zuhause hast. Es zwingt dich, deinen inneren Puls zu entwickeln und verhindert zwei typische Fehler:

  • Voreilen (besonders in schnellen Passagen)
  • Nachhängen (besonders in langsamen, kantablen Stellen)

Warum das Metronom so wichtig ist:

  • Es schafft eine objektive Referenz – du hörst sofort, wenn du vom Takt abweichst.
  • Es trainiert die Fähigkeit, auch bei hoher Geschwindigkeit noch entspannt und kontrolliert zu bleiben.
  • Es entwickelt die «automatische» rhythmische Sicherheit, die du später auf der Bühne brauchst, um dem Dirigenten präzise zu folgen.
Trompetist bei dem symbolisch die neuronale Verbindung zwischen Gehirn und Fingern dargestellt wird Foto: Mark Baumgartner

Systematisches Rhythmus-Training:

  1. Langsam starten: Stelle das Metronom auf ein Tempo, bei dem du jede Note exakt auf dem Klick hörst (meist 50–70 % des Endtempos).
  2. Perfekt mit Metronom: Spiele die Passage so lange, bis sie absolut stabil und entspannt auf dem Klick sitzt. Kein «Fast-Perfekt» – nur 100 %-Treffer.
  3. Schrittweise steigern: Erhöhe das Tempo in kleinen Schritten (wieder 4–8 BPM), immer erst dann, wenn die vorige Stufe bombensicher sitzt. Ziel: das Tempo, das der Dirigent für die Teststücke vorgibt.
  4. Metronom-Variationen für Fortgeschrittene
    – Metronom auf Viertel, dann auf Achtel, dann auf Sechzehntel
    – Metronom auf «2 und 4» (Backbeat) für Swing- und Groove-Passagen
    – Metronom ausstellen und nur noch mit innerem Puls spielen – dann wieder einschalten und prüfen

Pro-Tipp: Übe rhythmisch schwierige Stellen zuerst ohne Ton – nur mit Klappen/Ventilen und Zunge («Luft-Rhythmus»). So konzentrierst du dich rein auf das Timing, ohne dich von Intonation oder Technik ablenken zu lassen.

Fazit: Die Kombination macht den Unterschied

Wer Technik und Rhythmus konsequent getrennt trainiert – immer langsam, immer perfekt, immer mit klarem Tempoaufbau – wird am Eidgenössischen Musikfest in Biel nicht nur «mitspielen», sondern richtig glänzen. Das Schöne daran: Diese Methode funktioniert zuhause am Schreibtisch, ohne teure Ausrüstung, nur mit Instrument, Metronom und Disziplin.

Nimm dir pro Übeeinheit bewusst 10–15 Minuten nur für eine einzige schwierige Passage vor. Qualität schlägt Quantität – besonders in den Wochen vor Biel.

Viel Erfolg bei der Vorbereitung – und vor allem: Geniesst das Üben! Denn wer zu Hause schon perfekt vorbereitet ist, kann auf der Bühne in Biel einfach nur Musik machen. Und genau das ist es, was das Publikum und die Jury hören wollen.

Der Beitrag beinhaltet die freie Meinungsäusserung des Autors. Er hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da Klang, Ausdruck, Musikalität etc. ebenso wichtige Faktoren sind.

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