Erstmals in der Geschichte der Eidgenössischen Musikfeste hat die Jugend in Biel eine eigene Plattform erhalten. Zum einen mit dem Auftritt des Jugendensembles der heimischen Stadtmusik (Jubis) auf der Hauptbühne an der Eröffnungsfeier des EMF26 am Mittwochabend vor Auffahrt. Zum anderen mit der Youth Night an Auffahrt im bis auf den letzten Platz gefüllten Theater Nebia.
Donnerstag, 14. Mai, um zwanzig vor sechs Uhr abends. Vor dem Eingang des Bieler Theaters Nebia versammelt sich eine grosse Gruppe Kinder und Jugendliche, ausgerüstet mit Instrumentenkoffern und Notenmäppchen. Auch einige Eltern sind dabei. Die Vorfreude der Kids ist deutlich spürbar, aber auch die Anspannung vor dem grossen Auftritt.
Gute Stimmung
Kurze Zeit später kommt das Leiterteam – Gregory Heiniger, Doris Stingl und Jessica Wipfli –, begrüsst die Kids und öffnet die Tür. Sie stürmen nach drinnen, um ein Youth Night-T-Shirt zu ergattern und ihre Instrumente aus dem Koffer zu holen. Während sie sich ein paar Bissen der Sandwiches genehmigen, die das Leiterteam für sie bereitgestellt haben, hören sie Dirigent und Mitinitiant Gregory Heiniger zu, der letzte Infos zum Ablauf des Abends gibt.
Foto: Thomas Batschelet
Foto: Thomas Batschelet
Foto: Thomas BatscheletManche stehen in kleinen Gruppen zusammen, tauschen sich aus, lachen, andere testen ihr Instrument – kurzum, die Stimmung ist gut, ein bisschen aufgeregt, aber rundum fröhlich und motiviert.
Foto: Thomas Batschelet
Foto: Thomas BatscheletNur zwei Proben für ein ganzes Konzert
Insgesamt 81 Kinder und Jugendliche zwischen neun und 23 Jahren machen bei diesem einmaligen Projekt mit. Sie reden Deutsch oder Französisch, und zugleich sprechen alle die gleiche Sprache, die der Musik. Das hat sie in der kurzen gemeinsamen Zeit zusammengeschweisst. Sie kommen aus den Kantonen Bern, Jura, Solothurn, Freiburg, Neuenburg und Aargau und bilden gemeinsam ein voll ausgebautes Blasorchester. Zusätzlich sind sogar zwei Blockflötistinnen dabei.
Foto: Thomas Batschelet«Ich spiele auch im Jubis und mag das Musizieren in der Gruppe. Ich finde es spannend, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen zusammen zu spielen.»
«Es macht Spass, hier mitzuspielen. Ich freue mich auf das Publikum und die Stimmung, die hoffentlich am Konzert aufkommt.»
Foto: Thomas BatscheletIn nur zwei Proben à je 75 Minuten hat Gregory mit den Kids das Programm für den heutigen Abend einstudiert. Ziel war es, Literatur zu wählen, die nach zwei Proben funktioniert, die zu spielen allen Spass macht, trotz der grossen Alters- und Niveauunterschiede, und auch beim Publikum gut ankommt.
Foto: Roger StöckliDen Herausforderungen erfolgreich strotzen
«Es überrascht mich ehrlich gesagt sehr positiv, dass die Kids dies nun so gerne und gut gemacht haben und ihnen auch die Stückwahl gefällt. Die ausgewählten Stücke sind herausfordernd: ‹Für immer uf Di›, ‹America› – dort sind es die Taktarten und die rhythmische Herausforderung, im ‹Hallelujah› gibt es exponierte Stellen für fast alle Mitspielenden», so der Dirigent.
Foto: Roger Stöckli«Ich habe viele Kollegen, die auch mitspielen, und ich bin sehr motiviert, mit ihnen zu musizieren. Es ist toll, dass wir so viele Leute sind, und es macht mega Spass. Ich bin gespannt, wie das Konzert wird!»
«Ich spiele erst seit kurzem im Jubis mit und wurde angefragt, ob ich mitmachen möchte. Die Proben haben mir sehr viel Freude gemacht und nun freue ich mich auf das Konzert und das Publikum, und hoffe, dass es ihm gefallen wird und wir gute Musik machen können.»
Foto: Thomas BatscheletAm Anfang sei es auch schwierig gewesen, abzuschätzen, was für Kids und wie viele kommen, und auf welchem Niveau sie spielen, erzählt er weiter: «Wir dachten, wenn es zwischen 20 und 30 sind, ist das schön, und wir hätten das Projekt durchgeführt. Aber sind es über 80. Das hätte ich nicht gedacht!»
Vorprobe auf der richtigen Bühne
Nun ist es Zeit zum Einspielen. Mit Anweisung, wer welchen Aufgang nimmt, finden die Kids mit ihren Instrumenten und Noten zügig ihren Platz auf der Bühne. Jetzt sind sie bereit, die Vorprobe kann starten! Alles ist neu, und der eine oder die andere der jungen Musizierenden ist ein wenig abgelenkt. Gregory bleibt ruhig und mahnt, sie sollen sich auf das Musizieren konzentrieren.
Foto: Thomas BatscheletAlle Stücke werden angespielt, Solos und Teile daraus nochmals wiederholt – die Konzentration steigt spürbar. Dirigent «Greg», wie ihn alle nennen, beendet die Vorprobe und gibt letzte Anweisungen für den Aufmarsch beim Konzertbeginn, beim Verlassen der Bühne wird der geordnete Abmarsch geübt, alles klappt.
«Ich musiziere extrem gern und freue mich, heute Abend vor vielen Leuten zu spielen. Es ist toll, wenn man auf ein Konzert hin geübt hat und das Publikum zahlreich erscheint, um zuzuhören. Am Konzert zu zeigen, was man geübt hat, ist immer ein Highlight.»
Foto: Thomas Batschelet«Die Kids haben sich sehr seriös vorbereitet, sind motiviert und voll fokussiert», freut sich Mitinitiantin Doris Stingl. «Die Youth Band ist etwas Besonderes. Es geht darum, ein Erlebnis für die Kinder und Jugendlichen zu generieren, sie im Musizieren zu stärken und sichtbar zu machen. Schön, dass die Band am EMF eine Plattform bekommt, denn sie ist die Zukunft für alle unsere Musikvereine!»
Foto: Thomas Batschelet«Ausverkauft» und begeistert
Der grosse Saal im Nebia füllt sich bis auf den letzten Platz. Viele Eltern und Verwandte sind da und freuen sich, dass ihr Kind auf der Bühne mit dabei ist. Im Vorspann erfahren sie anhand von Einspielungen auf der Leinwand, was die Jungen motiviert hat, Musik zu machen und in der Youth Band mitzuspielen.
Foto: Roger Stöckli
Foto: Thomas BatscheletDann betritt die Youth Band unter grossem Applaus die Bühne. Als erstes ertönt das «Hallelujah» – zuerst nur mit einer kleinen Gruppe Solisten, danach im tutti. Die Konzentration der Musizierenden ist voll da, alle 81 Augenpaare sind beim Dirigenten. Das «Hallelujah» klingt, man spürt, wie die Energie fliesst und es matcht zwischen der Band, dem Dirigenten und dem Publikum.
«Einmal in einer grösseren Band zu spielen hat mich motiviert, und auch, gemeinsam mit Silvana zu spielen. Ich freue mich aufs Musizieren und aufs Publikum, das uns zuhören wird.»
Foto: Thomas Batschelet
Foto: Thomas Batschelet«Die Proben haben mir Spass gemacht und nun freue ich mich aufs Konzert und auch, dass Carla da ist.»
Nach «America» aus der berühmten West Side Story folgen Interviews – live mit Kids auf der Bühne wie auch per Video. Dem Publikum wird der Weg vom Einzel- und Gruppenunterricht in der Musikschule bis zum Übertritt in die Jugendmusik und später in eine Musikgesellschaft aufgezeigt. Ein Septett stellt sich nun vor der Band auf der Bühne auf und spielt ein erstes Mal «Für immer uf Di» von Patent Ochsner.
Foto: Roger Stöckli
Foto: Thomas Batschelet
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Foto: Roger Stöckli
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Foto: Roger StöckliDas Publikum erfährt danach, dass der Probenalltag manchmal herausfordernd sein kann, zum Beispiel wenn die Motivation zum Üben fehlt. In solchen Situationen kann das Musizieren in der Gruppe und ihrer Dynamik unter Freunden enorm helfen», ist vom Dirigenten im Interview zu erfahren. Passend dazu spielt die Band «Happy», den bekannten Song von Pharrell Williams.
Foto: Roger StöckliDen Abschluss der einstündigen Aufführung bildete der Patent Ochsner-Hit «Für immer uf Di» mit dem vollausgebauten Blasorchester auf der Bühne und dem begeisterten Publikum, das lautstark mitsingt – ein Gänsehautmoment!
Foto: Roger StöckliKurz nach dem Auftritt meint Gregory: «Es war ein mega Erlebnis! Und es ist schön, dass der Schweizer Blasmusikverband und das OK EMF26 den Jugendlichen diese Bühne bieten. Obwohl der Aufwand riesig war, hat es sich gelohnt, dieses Projekt durchzuführen – das Ergebnis spricht für sich.
Ich würde es sofort wieder machen. In grossen Gruppen musizieren ‹fägt›! Es ist für die Kids zwar cool, auch in kleineren Gruppen gemeinsam zu spielen, aber der Klang und das Zusammenspiel, die vielen gleichgesinnten Leute, die man in einem grossen Orchester kennenlernt, das ist schon etwas Besonderes.»
Foto: Thomas BatscheletWeitere Impressionen
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Foto: Roger Stöckli
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Foto: Roger Stöckli
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