Kennen Sie die parlamentarische Gruppe Musik? «Unisono» hat Laurent Wehrli getroffen, Nationalrat und Mitglied ihres Vorstands, um mehr über sie zu erfahren. Damit bot sich die Gelegenheit, mit ihm – der 2016 in Montreux die letzte Ausgabe präsidiert hatte – auch über das Eidgenössische Musikfest 2026 zu sprechen.
Herr Wehrli, Sie sind Vorstandsmitglied der parlamentarischen Gruppe Musik. Was genau macht diese Gruppe?
Nun, eine parlamentarische Gruppe ist keine offizielle Kommission oder Delegation, sondern eine Gruppe von Parlamentariern – Nationalräten und Ständeräten – die sich einem Thema verbunden fühlen, weil sie es für wichtig halten oder eine besondere Beziehung dazu haben. Es gibt viele fraktionsübergreifende Arbeitsgruppen, und unter dem Dach des Parlaments sind sie offiziell anerkannt. Wir unterscheiden zwei Arten: Die einen befassen sich ausschliesslich mit nationalen Themen und die andern mit den Beziehungen zu anderen Ländern.
Foto: Services du ParlementDiejenige, die uns interessiert, gehört eindeutig zur ersten Kategorie …
Ja, und sie dient im Wesentlichen der Weitergabe von Informationen im Zusammenhang mit ihrem Thema, zwischen Parlamentariern, die sich davon betroffen fühlen. Was die Musikwelt im weiteren Sinne angeht, bietet dies den jeweiligen Dachverbänden einen privilegierten oder zumindest direkten Kontakt zu Parlamentariern, die sich für ihre Sparte interessieren.
Die Dachverbände, selbstverständlich, aber auch die Bürgerin und der Bürger?
Das gehört zu den Grundprinzipien unserer Demokratie. Unsere gewählten Vertreter sind erreichbar und verfügbar. Die E-Mail-Adressen der Parlamentarier zu finden ist auch nicht kompliziert. In unserem Kontext ist es aber oft besser, sich vorab beim eigenen Verband zu erkundigen, um doppelte oder mehrfache Anfragen zu vermeiden.
Eine parlamentarische Gruppe soll also auch den Dialog fördern und eine Form des Wissensaustauschs etablieren …
Genau. Und je besser wir uns gegenseitig kennen, desto besser können wir aktiv werden: Die Mitglieder der parlamentarischen Gruppe können Anfragen an das Parlament weiterleiten, aber auch die Antragsteller für bestimmte politische Realitäten sensibilisieren.
Entspricht die Zusammensetzung der parlamentarischen Gruppe den für unser Land typischen Repräsentativitätsprinzipien?
Nicht im Sinne der offiziellen Ausschüsse, die die Proportionen der Parteien im Parlament respektieren. Doch was die fraktionsübergreifende Gruppe Musik angeht, ist die Idee, ein möglichst breit gefächertes Spektrum zu entwickeln, zumindest auf kultureller Ebene.
Foto: Services du ParlementDie Gruppe arbeitet eng mit dem Schweizer Musikrat zusammen; können Sie uns dazu etwas mehr sagen?
Da es den Schweizer Verbänden gelungen ist, sich über diese Institution zu koordinieren, lag es nahe, Hand in Hand zu arbeiten. Der Schweizer Musikrat führt auch das Sekretariat der parlamentarischen Gruppe Musik.
Was beschäftigt die parlamentarische Gruppe Musik derzeit?
Wir haben uns unlängst – natürlich – mit der Kulturbotschaft 2025–2028 befasst, mit dem Platz, den die Musik und insbesondere die musikalische Bildung darin einnehmen.
Lassen Sie uns kurz auf Artikel 67a der Verfassung (Musikalische Bildung) eingehen. Wird er angemessen umgesetzt?
Ich verstehe, dass sich die Musikwelt –mindestens teilweise – für diese Bestimmung noch mehr Gewicht wünscht. Im Verfassungstext ist sie jedoch nicht die einzige ihrer Art. Und lassen Sie uns erst einmal anerkennen, dass eine Verankerung in der Bundesverfassung nicht wenig ist. Sie ist eine wesentliche Grundlage und garantiert die Legitimität der musikalischen Bildung in unserem Land. Allein ihre Existenz verhindert jede Gefahr der Demontage oder des Rückzugs. Es liegt selbstverständlich an uns, sie zu beleben und zu konkretisieren. Alles ist jedoch eine Frage des Gleichgewichts. Die engagierten Kreise müssen dem in ihren Erwartungen Rechnung tragen.
Foto: Nathalie Gobet-VialKommen wir zu einem anderen aktuellen Thema. Sie waren Präsident des OK des Eidgenössischen Musikfests 2016 in Montreux. Wie sehen Sie die jüngsten Entwicklungen beim EMF26?
Ich kann eine gewisse Überraschung nicht leugnen, wie wohl alle andern auch. Aber ich sehe die Situation lieber positiv und begrüsse die Reaktion der Region Biel und der SBV-Gremien. Sie haben sich mit Elan und Entschlossenheit geeinigt und arbeiten, soweit ich weiss, mit aller Kraft daran, mehr als nur einen «Minimalservice» anzubieten, wenn Sie mir den Ausdruck verzeihen.
Von einem Eidgenössischen zum nächsten ist es üblich, sich gegenseitig ein paar Informationen zu übermitteln. Hat das Bieler OK schon Kontakt mit Ihnen aufgenommen?
Nein. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Priorität im Moment anderswo liegt. Wir stehen natürlich zur Verfügung, wollen uns aber keinesfalls als Besserwisser profilieren. Ein Eidgenössisches muss das Markenzeichen des Organisationskomitees tragen. Ausserdem hat jeder Ort seine eigene Identität, die die Veranstaltung prägen wird, auch wenn gewisse Grundprinzipien bleiben. Das ist normal und auch gut so.
Und es ist viel Zeit vergangen …
Natürlich. Zehn Jahre. Alles hat sich weiterentwickelt und ich bin nicht überzeugt, dass man einen solchen Anlass 2026 auf die gleiche Weise organisieren wird wie 2016. Wir haben andere Werkzeuge und, ich sage es noch einmal, die beiden Städte und ihre jeweilige Infrastruktur sind nicht gleich. Das macht auch die Schönheit des Eidgenössischen Musikfests aus: Indem es von Region zu Region wechselt, erneuert es sich jedes Mal und bleibt für die Musikvereine gleichzeitig das gleiche, wichtige Ereignis.
Foto: Nathalie Gobet-VialEin letztes Wort an das OK von Biel 2026 und ganz allgemein an unsere Musikantinnen und Musikanten …
Den Organisatoren aus Biel spreche ich ein grosses Dankeschön dafür aus, dass sie diese wichtige Aufgabe so kurzfristig übernommen haben, mit einer offensichtlichen Begeisterung, die man jetzt schon spürt. Die Musikantinnen und Musikanten kann ich nur ermuntern, ihre Kunst weiterhin auszuüben, in diesem ständigen Streben nach Qualität, nicht nur bei Musikfesten, sondern bei jedem ihrer Auftritte, und diesen Zusammenhalt zu pflegen, der das Fundament einer guten Gesellschaft ist.