Der international tätige Dirigent Gregor Kovačič beschäftigt sich in seinem Buch mit der Frage: «Wie kann ich ein Orchester sowohl auf der menschlichen als auch auf der psychologischen Ebene erfolgreich führen?»
Das grosse Bedürfnis nach der Antwort zur natürlichen Autorität hat Gregor Kovačič angetrieben: «Wie kann ein Dirigent seine musikalischen Ideen umsetzen, ohne übertrieben autoritär zu wirken? Wie kann man mit störenden oder destruktiven Persönlichkeiten im Orchester umgehen und wie kann man gemeinsam die Musik im besten Sinne des Komponisten umsetzen?»
Sich mit sich selbst auseinandersetzen
Mit Fachwissen aus der Psychologie, Berichten berühmter Dirigenten und seiner jahrelangen Erfahrung hat er selbst Lösungsansätze gefunden, ausprobiert und in seinem Buch festgehalten. Hierbei hat er festgestellt, dass sich viele grundlegende Dinge bei professionellen Klangkörpern und bei Amateurorchestern sehr ähneln.
Für junge Dirigenten sind das Aufbauen von Selbstvertrauen und die Identifikation mit der Rolle als (Blas-)Orchesterleiter zentral. Hier spricht Kovačič aus eigener Erfahrung, da er sich zu Beginn seiner Karriere nicht leichttat, obwohl er selbst ein begnadeter Klarinettenvirtuose ist.
Beim Umgang mit eigenen Fehlern soll man nachsichtig sein. Als Dirigentin oder Dirigent darf man auch ruhig einmal Fehler machen. Der Anspruch, alles richtig machen zu müssen, beruht auf dem falschen Mindset vieler Dirigenten: «Alles, was aus meinem Mund kommt, ist Gold.»
Nur die Musik zählt
Bei Proben empfiehlt Gregor Kovačič, gleich über die Musik zu sprechen. Dabei erzählt er von den Erfahrungen eines Kollegen: «Kirill Petrenko spricht nur über die Musik und wie er sie fühlt, und er erzählt das Wesentliche über das Stück, das er dirigiert. Er wird nie persönlich.»
Kovačič ist überzeugt, dass zwischenmenschliche oder autoritäre Probleme auf diese Art vermieden werden können. Im Zentrum steht immer nur die Musik, niemals der Musiker oder Dirigent.
«Dirigieren oder dirigiert werden»
Ein Buch für Dirigenten und Orchestermusikerinnen von Gregor Kovačič.
Der Zauber grosser Dirigenten
Die Dirigentin hat die Aufgabe, die Qualitäten eines Orchesters möglichst schnell zu erkennen. In der Folge muss sie das Orchester gezielt in ihre Richtung lenken. Kovačič sagt, dass dies Ausdauer braucht, etwa zwei Jahre dauert und auf Vertrauen basiert.
Er spricht aus eigener Erfahrung: «Im Laufe der Jahre habe ich meinen Musizierenden immer mehr Vertrauen geschenkt und ihnen immer mehr Freiheiten eingeräumt, was diese sofort spürten. So haben sie mehr Lust und Freude am Musizieren bekommen.»
Bekannte Dirigenten wirkten meist lange am selben Ort und mit dem gleichen Orchester. Sie hatten die Möglichkeit, in Ruhe zu arbeiten und sich zu entwickeln. So müssen sie sich nicht mehr beweisen. Sie vertrauen ihren Musikern, die dies spüren und während der Konzerte alles geben. Oder wie Mariss Jansons gesagt hat: «Es kommt aus dem Herzen.»
Umgang mit Besserwissern und Motivation der Musikanten
Woher soll man wissen, wie man ein Orchester am besten führt, damit es eine Topleistung erbringt? Das Buch gibt fundierte Tipps, wie man mit solchen Menschen umgehen kann. Denn in jedem Orchester gibt es die Besserwisser, Kontrollfreaks, Nörgler oder Aufmüpfige, die stets eine Herausforderung für den Dirigenten sind.
«Am meisten motiviere ich meine Musiker, wenn sie mich motiviert sehen. Wenn mir dieses Stück wichtig ist, dann strahlt meine Begeisterung auch nach aussen und die Musiker nehmen das wohlwollend auf.» In jedem Programm müssen Stücke enthalten sein, die den Dirigenten besonders motivieren und bei denen er seine Stärken zeigen kann.
Gregor Kovačič persönlich
- Studium in Slowenien und in den Niederlanden (Maastricht)
- Orchester: Salzburger Landesblasorchester, Kammerharmonie Salzburg, BO Ravne, BO Loibach
- Highlights: Prager Philharmonie, Slowenische Philharmonie, Royal Symphonic Band of Belgian Guides, Slowenisches Polizeiorchester