Am 27. Juli 2024 verstarb Martin Casentieri. Mit ihm hat das Schweizer Blasmusikwesen und insbesondere die Brassband-Bewegung einen ausgewiesenen Dirigenten, Komponisten und Musikexperten verloren.
Martin Casentieri wächst im bündnerischen Rhäzüns auf, wo er nicht nur seine ersten musikalischen Erfahrungen macht, sondern sich auch sein wachsendes Interesse an der Brassband-Musik aufbaut.
Gründer der Brassband Graubünden
Angetrieben durch den besonderen Klangkörper der Brassensembles fokussierte sich seine Aufmerksamkeit zusehends auf die Leitung dieser Formationen. Er liess sich als Dirigent in nationalen und mitunter auch internationalen Musikakademien ausbilden, so beispielweise bei Geoffrey Brand (Meisterkurs für Brassbanddirigenten) wie in darauffolgenden weiteren Meisterkursen bei Edward Gregson und Don Lusher.
Als Dirigent dieser damals in der Schweiz noch eher jungen Formationen war Martin Casentieri nicht nur Gründungsmitglied, sondern eben auch erster und langjähriger Dirigent der Brassband Graubünden (1971–1992; heute Graubünden Brass). Parallel dazu leitete er die UBB Eschlikon, die mit diversen Tonaufnahmen einen grossen Beitrag dazu leistete, den Brassband-Klang national in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen.
Besonders bedeutsam waren dabei die Tonaufnahmen mit Radio DRS (heute SRF), die zwischen Martin Casentieri und Kurt Brogli in teilweise intensiver Zusammenarbeit entstanden.
Foto: zVgEngagement für die Jugend
Nach und teilweise auch während seinen intensiven Aufbau- und Entwicklungsarbeiten im Schweizer Brassband-Wesen, die auch geprägt waren von hochklassigen Konzerten mit Gastvereinen wie beispielsweise der Black Dyke Mills Band, engagierte sich Martin Casentieri zunehmend für die Förderung von Jungbläserinnen und Jungbläsern. So wirkte er am Aufbau und der Durchführung mehrerer Jugendbrassbandlager mit und konnte dadurch viele Junge nicht nur für die Brass Band, sondern auch für die Blasmusik insgesamt begeistern.
Von seiner Expertise konnten damit nicht nur einschlägige Brassbandformationen profitieren, sondern zunehmend auch Blasmusikorchester, wie beispielsweise die Jugendmusik Kreuzlingen, das Sanktgallische Jugendblasorchester, die Stadtharmonie Eintracht Rorschach oder die Stadtmusik Winterthur.
Spuren im In- und Ausland
Seine Musikalität, aber auch seine Fähigkeit, Musikvereine weiter voranzubringen, blieben nicht auf den nationalen Kontext begrenzt, sondern strahlten auch über die Landesgrenzen hinaus. Sie führten zu unzähligen Anfragen und Engagements als Experte in nationalen oder internationalen Musikwettbewerben.
Letztlich sind all seine musikalischen Erfolge, seine musikalische Schaffens- und Gestaltungskraft und damit sein Engagement für die Entwicklung der Brassband-Musik als Ganzes seiner unverbrüchlichen Leidenschaft für die Musik geschuldet.
«Für dein Leben, Martin, das du ganz der Blasmusik und ihrer Weiterentwicklung, und dabei insbesondere den jungen Musikantinnen und Musikanten geschenkt hast, danken wir dir. Wir bleiben mir dir in der Musik verbunden.»