HKB: Neuer Schwung für die Blasmusikdirektion

Corsin Tuor beim Dirigieren
Die zuständigen HKB-Dozenten für die Blasmusikdirektion: Corsin Tuor, ...

Beitragsbild: zVg

Flexibel, modular und nah an der Praxis: Die Hochschule der Künste Bern (HKB) setzt neu auf modulare Weiterbildung in Blasmusikdirektion. Der Beitrag zeigt auf, wie massgeschneiderte Kurse und Module von Dirigierpraxis über Literaturkunde bis hin zu Instrumentation und Arrangement oder Komposition frischen Wind auf das Dirigentenpodest bringen.

Die Anforderungen an Dirigentinnen und Dirigenten im Schweizer Blasmusikwesen steigen stetig. Zugleich erschweren knapper werdende zeitliche Ressourcen im Berufs- und Vereinsleben die Wahrnehmung dieser anspruchsvollen Aufgaben.

Die Hochschule der Künste Bern (HKB) reagiert auf diese Entwicklungen und strukturiert ihr Weiterbildungsangebot im Bereich Blasmusikdirektion grundlegend neu. An die Stelle des bisherigen, starren Zertifikatslehrgangs tritt ab sofort ein hochflexibles, modulares System. Dieses lässt sich individuell an die Vorkenntnisse, Interessen und Zeitbudgets der Teilnehmenden anpassen.

Florian Ziemen mit Taktstock Foto: zVg
Florian Ziemen

Handwerk und Praxis auf dem Podest

Das Herzstück der praktischen Ausbildung bildet der Kurs «Dirigierpraxis & Methodik». Im Fokus des Einzelunterrichts steht die Verfeinerung der nonverbalen Kommunikation. Die Teilnehmenden automatisieren verschiedene Taktfiguren und erlernen eine differenzierte Zeichengebung für Dynamik, Phrasierung und Artikulation.

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Probendidaktik: Vermittelt werden effiziente Strategien zur Fehlerdiagnose sowie der Umgang mit unterschiedlichen Leistungsniveaus in Amateurvereinen. Das Gelernte wird schliesslich direkt in der Praxis vor einer Brass Band oder einem Blasorchester angewendet.

Porträt Oliver Waespi Foto: Simon Schmid
Oliver Waespi

Das Gehör im Fokus

Ergänzt wird das Angebot durch das theoretische Fundament im Kurs «Musikalische Theorie & Analyse». Hier erarbeiten sich die Dirigierenden die Werkzeuge für eine fundierte Interpretation. Neben vertiefter Harmonielehre und Formenlehre steht die detaillierte Werkanalyse im Zentrum. Sie hilft dabei, eine klare musikalische Vision zu entwickeln und den Notentext mental zu durchdringen.

Ein zentrales Element ist zudem die gezielte Gehörbildung. Sie schult das schnelle Erkennen von Intonations-, Rhythmus- und Besetzungsfehlern im Orchesterklang. Ziel ist es, das «innere Ohr» so zu synchronisieren, dass eine Fehlerkorrektur im realen Probenbetrieb in Echtzeit gelingt.

Porträt Sandro Blank Foto: Philipp Renggli
Sandro Blank

Passgenaue Spezialisierung

Das Spektrum der Weiterbildung reicht hin zu spezialisierten Kursen wie «Instrumentation & Arrangement» und «Einführung in die Komposition». Hier lernen die Teilnehmenden, bestehende Literatur geschickt auf die Besetzung des eigenen Vereins zuzuschneiden oder eigene musikalische Ideen schlüssig zu Papier zu bringen.

Tradition trifft Repertoire

Einen wichtigen Blick über den reinen Notentext hinaus bietet das Modul «Literaturkunde, Geschichte Blasmusik». Hier setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit den historischen Wurzeln, der Evolution der Instrumente sowie den soziokulturellen Entwicklungen von Brass Bands und Blasorchestern auseinander. Dieses historische Bewusstsein schärft das grundlegende Verständnis für aufführungspraktische Fragen.

Gleichzeitig vermittelt das Modul einen umfassenden Überblick über das historische und zeitgenössische Repertoire. Die Dirigierenden lernen, Partituren stilistisch einzuordnen, Konzertprogramme dramaturgisch sinnvoll aufzubauen und gezielt Werke auszuwählen. So entsteht die Kompetenz, Literatur zu finden, die sowohl das Publikum anspricht als auch die spezifische Besetzung des eigenen Vereins optimal fordert und fördert.

Porträt Stephan Hodel Foto: zVg
Stephan Hodel

Austausch direkt im Hochschulumfeld

Ein besonderes Highlight im Semesterverlauf bilden die interaktiven «Workshops zu Fachthemen». Diese dienen als dynamische Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. In wechselnden Schwerpunktthemen arbeiten die Studierenden intensiv in Gruppen.

Diese Workshops bieten den idealen Raum, um neue Impulse auszuprobieren, gegenseitiges Feedback zu nutzen und wertvolle Erfahrungen für den Alltag im eigenen Stammverein zu sammeln.

Ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Neuausrichtung ist die enge Verzahnung mit dem grundständigen Studienbetrieb: Weiterbildungsteilnehmende absolvieren ausgewählte Module gemeinsam mit den Bachelor- und Master-Studierenden der HKB. Dies garantiert ein hohes Niveau in der Lehre und ermöglicht einen intensiven Austausch sowie die direkte Vernetzung in der Musikszene.

Massgeschneidertes Wissen für die musikalische Leitung

Durch diese flexible Kombination aus Praxis, Theorie, Historie und Wahlbereichen können sich die Dirigierenden genau das Rüstzeug zusammenstellen, das sie für ihre alltägliche Arbeit auf dem Dirigentenpodest benötigen.

Mit diesem modernen Konzept öffnet die HKB ihre Türen für eine breite Zielgruppe und stärkt nachhaltig die Qualität der musikalischen Leitung in der Schweizer Blasmusikszene.

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