Am 29. November 1924, vor fast genau hundert Jahren, ist Giacomo Puccini verstorben. In der Biografie des Komponisten von Arien, die auch Nicht-Operngängern bekannt sind, spielt auch die Schweiz eine Rolle.
Giacomo Puccini wurde am 22. Dezember 1858 in Lucca (IT) in eine Familie geboren, die sich seit vier Generationen der Musik widmete. Im Alter von fünf Jahren verlor er seinen Vater. Der Familientradition folgend wurde er zuerst Sängerknabe und als Jugendlicher Organist und trug so zum Lebensunterhalt der Familie bei. Dabei schrieb er Stücke, die erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt wurden und die der spätere Opernkomponist bei Gottesdiensten aufführte.
Foto: WikipediaAnfänge in der Oper
Seine akademische Laufbahn beginnt in Lucca, später zieht er nach Mailand und besucht das Konservatorium. Im Jahr 1883 schliesst er sein Studium ab, beginnt mit der Veröffentlichung seiner Werke und schreibt seine erste Oper, «Le Villi». Diese wird 1884 in Mailand aufgeführt und kommt so gut an, dass der bedeutende Verleger Giulio Ricordi auf sie aufmerksam wird, die Partitur kauft und den Komponisten mit einer weiteren Oper beauftragt: «Edgar». Obwohl der Erfolg ausbleibt, gibt der Verleger, der einen guten Riecher hat, ein drittes Werk in Auftrag. Puccini entscheidet sich für «Manon Lescaut», die Heldin eines Romans von Abbé Prevost. Die Uraufführung im Jahr 1893 am Teatro Regio in Turin wird zum Triumph.

Eine Partitur mit Schweizer Hintergrund
Auch die Schweiz spielt bei diesem Erfolg eine Rolle: Einen grossen Teil von «Manon Lescaut» komponiert Puccini in Vacallo, einem kleinen Dorf an der italienischen Grenze, fast am südlichsten Punkt des Landes, wo er regelmässig anzutreffen ist. Das Dorf ist nicht weit von der Stadt Cernobbio entfernt. So kann er Giulio Ricordi, der dort sein Feriendomizil hat, mit einem langen Spaziergang erreichen. Die Beziehung zwischen Ricordi und Puccini ist eng; der Komponist, der als Kind seinen Vater verlor, findet im Verleger eine Vaterfigur, die ihn nicht nur wirtschaftlich, sondern auch künstlerisch und emotional unterstützt. Während seiner langen Aufenthalte besucht Puccini die zahlreichen Tavernen in Vacallo, spielt mit den Einheimischen Boccia und geht auf die Jagd. Auch bei der Gründung des Musikvereins in der benachbarten italienischen Stadt Maslianico hilft er – jenseits der Grenze, die täglich von vielen in beide Richtungen und ohne Formalitäten überquert wird.
Der Erfolg im Theater stellt sich ein
Auf «Manon Lescaut» folgt «La Bohème», die zunächst nur mässig erfolgreich ist, dann aber von italienischen Theatern begeistert aufgenommen wird und ganz Europa erobert. Diesem Weg folgt auch die nächste Oper, «Tosca». «Madama Butterfly» stösst beim Publikum vorerst auf Zurückhaltung, aber als sie nach einigen Änderungen wieder aufgeführt wird, folgt der Triumph. Die folgenden Opern gehen unterschiedliche Wege: «La fanciulla del West» wird 1910 an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt, «La rondine» debütiert 1917 an der Opéra de Monte-Carlo. Der Komponist entwirft ein Triptychon: «Gianni Schicchi» wird sofort populär, während «Il tabarro» – vom Publikum weniger geliebt – die Gunst der Kritiker gewinnt. «Suor Angelica» ist des Autors Liebling.
Foto: Lara BergliaffaEin letztes, unvollendetes Werk
Anfang 1920 beginnt Puccini mit der Arbeit an «Turandot». Daraus wird ein langer und schwieriger Prozess, nicht zuletzt, weil er an Halsbeschwerden zu leiden beginnt, die im Oktober 1924 als Krebs diagnostiziert werden. Als «Turandot» fast fertig ist und die Vorbereitungen für die Uraufführung getroffen werden, begibt sich Puccini in eine Klinik in Brüssel und wird operiert. Obwohl die Operation erfolgreich verläuft, stirbt Puccini nach wenigen Tagen, am 29. November 1924. Franco Alfano vollendet «Turandot» und die Oper wird dem Publikum unter der Leitung von Arturo Toscanini präsentiert. Am Abend der Premiere schliesst Toscanini jedoch die Aufführung mit der letzten von Puccini geschriebenen Note. Auf das von Alfano geschriebene Ende folgten und folgen immer noch Versuche aus den Federn von mehr oder weniger bekannten Autoren.
Nicht nur Opern
Puccinis Produktion umfasst hauptsächlich Opern, aber nicht nur: Als Jugendlicher schreibt er – erst kürzlich wiederentdeckte – Stücke für Orgel, einige Werke für Orchester, andere für Klavier und Streichquartett sowie eine Messe, die grösstenteils während seiner Studienzeit entstanden ist, und Stücke verschiedenster Art für Gesang und Klavier, hauptsächlich Romanzen.
Es gibt auch einen Exkurs in die Blasmusikwelt: 1899 komponiert Puccini den kurzen, brillanten Marsch «Scossa elettrica» (Elektroschock) für den internationalen Kongress der Telegrafen in Como, anlässlich des 100. Jahrestags der Erfindung der galvanischen Batterie. Guido Serrao hat diesen für Blasorchester instrumentiert. Heute wird der Marsch von verschiedenen Verlagen herausgegeben und von unterschiedlichen Komponisten für aktuelle Besetzungen überarbeitet. Ebenso zahlreich sind die Transkriptionen von Auszügen aus seinen Opern für verschiedene Besetzungen und Schwierigkeitsgrade, manchmal sogar in Form eines Potpourris. Ausserdem gibt es Bearbeitungen von Teilen seiner Messe sowie seiner Werke für Orchester und Streichquartett.
