Es ist eine alte Weisheit, dass die Musik als universelle Sprache Menschen aus aller Welt miteinander verbindet. Wie das folgende Beispiel zeigt, hilft Musik auch bei der Integration von Menschen in einem ihnen fremden Land.
Seit ihrem siebten Lebensjahr macht Anastasiia aus der ukrainischen Stadt Charkiw Musik. Sie begann mit der Domra, einer Schalenhalslaute. Später wechselte sie zur Querflöte, danach zur Trompete. Die begeisterte Musikerin spielte schliesslich an einer Musikschule in Charkiw.
Der Überfall Russlands im Februar 2022 setzte ihren Ambitionen ein vorläufiges Ende. Aus Sicherheitsgründen musste Anastasiia zusammen mit der Mutter und der Grossmutter ihre Heimatstadt verlassen und flüchten. In der Schweiz fanden die drei Frauen einen sicheren Platz. Sie wurden von einer Gastfamilie in Ramlinsburg aufgenommen.
Foto: zVgNeue musikalische Chancen in Liestal
Als erstes fiel Anastasiia der Konzertflügel mitten im Wohnzimmer auf. Da sie in der Heimat auch etwas Keyboard gespielt hatte, versuchte sie sich an diesem Instrument und erzählte der Gastmutter, sie habe in Charkiw Trompete gespielt. Weil deren Kinder früher bei der Regionalen Musikschule Liestal Unterricht genommen hatten, schlug sie nun Anastasiia den Besuch der Musikschule vor.
Dort kam sie in Kontakt mit Ivan Estermann. Dieser entdeckte sogleich Anastasiias Können und nahm sie umgehend in die Jugend Brass Band (JBB) der Regionalen Musikschule Liestal auf (RML). Dafür wechselte Anastasiia von der Trompete auf das Cornet. Schon nach drei Proben nahm sie mit der JBB am Luzerner Kantonal-Jugendmusikfest in Emmen teil.
Foto: zVgMusik als verbindende Sprache
Das war für sie eine ganz neue Erfahrung. Zwar gibt es in der Ukraine auch Musik-Wettbewerbe, doch nach dem Wettspiel werden einfach die Auszeichnungen verteilt und fertig. In Emmen erlebte sie zum ersten Mal, dass ein solches Wettspiel auch ein Fest sein kann. Die Jugendlichen feierten das Zusammensein, eine neue und schöne Erfahrung für Anastasiia.
Zuerst hinderten selbstverständlich sprachliche Barrieren eine Unterhaltung mit den anderen Jugendlichen. Doch Anastasiia machte schnell Fortschritte in der deutschen Sprache und kann sich heute sehr gut verständigen.
Foto: zVg
Foto: zVgIn der Brassband-Gemeinschaft angekommen
Gemeinsam mit Ivan Estermann beteiligte sich Anastasiia an dem 2023 gegründeten Projektorchester Brass Band Nordwestschweiz (BBNW). Bei solchen Beteiligungen lernt man andere Leute mit gleichen Interessen kennen. In der BBNW kam Anastasiia mit Thomas Imhof in Kontakt und half in der Folge kurz bei der Brass Band Lausen aus.
Noch nachhaltiger war jedoch im Rahmen der JBB RML der Kontakt mit jungen Mitgliedern der Brass Band Frenkendorf. Seit 2023 spielt sie bei den Frenkendörfern mit und seit der GV 2024 ist sie sogar festes Mitglied der Brass Band Frenkendorf.
Foto: zVgDie Blasmusik als Integrationsfaktor
Anastasiia schätzt die Kultur der Vereine hier. In der Ukraine gibt es keine Musikvereine. Orchester gibt es dort nur im Rahmen der Musikschulen und beim Militär. Sie schätzt die Kameradschaft in unseren Vereinen.
Neben der Musik studiert Anastasiia heute an der Uni Basel Computer Science. Ihre Freizeit gehört jedoch zu einem grossen Teil der Blasmusik. Diese verhalf der heute 21-jährigen, engagierten Frau dazu, sich in ihrer neuen Heimat wohlzufühlen. Die Blasmusik wirkte in diesem, wie wohl in manch anderem Fall, als Hilfe zur Integration. Die Sprache der Musik ist eben verbindend.