Kreuzlingen: Höchste Qualität mit Symphonia Classic

das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen auf der Bühne
Das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen beim Abschlusskonzert von «Symphonia Classics».

Beitragsbild: Reto Bollinger

Zum Abschluss seiner Konzertreihe «Symphonia Classic» lud das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen in die Aula der Pädagogischen Maturitätsschule ein. Ein gut gefüllter Saal zeigte eindrücklich, dass die mehrjährige, beharrliche Sensibilisierung eines breiten Publikums für anspruchsvolle und facettenreiche Blasmusik die verdienten Früchte trägt.

Und das Publikum wurde für sein Erscheinen belohnt. Mit dem Marsch «Bellinzona» von Gian Battista Mantegazzi riss das Orchester den trüben Märzhimmel auf und nahm das Publikum mit auf einen sorgfältig strukturierten und diszipliniert gespielten Spaziergang durch diese bezaubernde Tessiner Stadt.

Traumdeutung im Pflichtstück

Mit Franco Cesarinis «Quadrants des Rêves» blieb das Orchester zumindest kompositorisch in der Sonnenstube der Schweiz. Das Aufgabenstück für das Eidgenössische Musikfest, an dem das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen am 16. Mai in der höchsten Stärkeklasse antreten wird, ist eine musikalische Betrachtung der psychologischen Traumdeutung C. G. Jungs.

Unter der kompetenten Leitung seines langjährigen Dirigenten Stefan Roth schaffte das Orchester eine gekonnte Mischung aus impressionistischer Klangidee und den tonal verkörperten Archetypen aus C. G. Jungs Lehre. Besonders im Satz «L’Eveil du Jeu», in dem das innere Kind als Quelle des Schaffens musikalischen Ausdruck erfährt, zeigte das Orchester eindrucksvoll, dass konstruktive und destruktive Energie im schöpferischen Prozess verschmelzen.

Linus Tschopp spielt ein Euphoniumsolo, im Hintergrund das Symphonische BO Kreuzlingen Foto: Reto Bollinger
Linus Tschopp füllte den Saal scheinbar mühelos mit seinem sonoren Klang.

Linus Tschopp brilliert als Gastsolist

Mit Linus Tschopp als Gastsolist nahm sich das Kreuzlinger Orchester einem seiner eigenen Vorsätze an, der Förderung junger Talente. Linus Tschopp ist seit 2022 Preisträger der Joseph Strässle Steigacker Stiftung und wurde 2025 mit dem 2. Preis beim internationalen Euphonium Wettbewerb der Lieksa Brass Week in Finnland ausgezeichnet, und das mit gerade einmal 24 Jahren. Mit seiner überaus reifen und abgeklärten Aufführung von Martin Ellerbys «Euphonium Concerto» zeigte Linus Tschopp aber, dass das Alter auch in der Jugend nur eine Zahl ist.

Eingepackt in kompromisslos präzise Rhythmik und glockenreine Klarheit füllte Linus Tschopp den Saal scheinbar mühelos mit seinem sonoren Klang. Eingebettet in diese artistisch anmutenden Arpeggi und kaskadierenden Klanggirlanden kontrastierte die ruhige und beruhigende «Rhapsody (for Luis)» diese atemberaubende instrumentale Akrobatik. Linus Tschopp zauberte ein wohlig warmes Klangbad und das Publikum schien sich bereitwillig verzaubern zu lassen.

Ein Duett und Illumination

Die aus Dankbarkeit für die langjährige Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Stefan Roth im Duett vorgetragene Zugabe unterstrich die musikalische Reife des jungen Solisten mit der gewinnenden Aura ein weiteres Mal.

Mit «Illumination» von David Maslanka startete das Orchester den zweiten Konzertteil mit der vollständigsten Interpretation des gesamten Abends. Das in der für Maslanka typischen Klangsprache gehaltene Stück forderte alle Register des Blasorchesters und gab ihm Raum, sein gesamtes Potential zu präsentieren. Eine musikalische Herausforderung mit für Maslanka typischen Passagen, die den klassischen Minimal von Philip Glass zitieren. Dem Orchester hat sie sicht- und hörbar Spass gemacht.

Die Kür zum Abschluss: Symphonia Luminosa

Den Abschluss eines langen, aber nie langweiligen Konzertabends bildete dann das Selbstwahlstück für das Eidgenössische Musikfest in Biel: die «Symphonia Luminosa». Das formal ausladende Werk orchestraler Klangmöglichkeiten, benannt nach dem jeweils im Dezember stattfindenden Benefizkonzert des Symphonischen Blasorchesters, war von diesem selbst beim spanischen Komponisten Carlos Pellicer in Auftrag gegeben worden.

Das Werk lotet die klanglichen Möglichkeiten eines Blasorchesters aus und fordert den unzähligen, oftmals ausgestellten Solisten mit seiner äusserst modernen Melodik alles ab. Unter Verwendung des vollen Instrumentariums und ungewöhnlichen Spieltechniken schafft das Orchester ein Klangkaleidoskop, das romantische Epik, modernste Tonsprache, stampfende Beats und ausgeklügelte Effekte zu einem stringenten, in sich logischen und überzeugenden Ganzen verbindet.

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