Atempause
Das Wettbewerbsdilemma
Das bevorstehende EMF bietet Gelegenheit, sich wieder einmal Gedanken zum Wettbewerbswesen zu machen. Wir sind alle in einer Wettbewerbskultur aufgewachsen und haben erfahren, wie es ist, unter Druck das Beste zu geben oder aber daran zu zerbrechen: Konkurrenz ist ein zentrales Prinzip unserer Gesellschaft.
Das Wesen der Musik ist das Musizieren; das Vermitteln von Gefühlen, Empfindungen und inneren Welten. Punktezählen hat nichts mit Musizieren zu tun! Braucht es den Wettbewerb, um persönlich oder als Verein weiterzukommen, sich zu verbessern und nach Exzellenz zu streben? Die Verhaltensforschung lehrt uns, dass Exzellenz eher in einem kooperativen als in einem kompetitiven Umfeld erreicht wird.
Ist es ur-menschlich, die eigene Leistung zu messen und im Wettkampf mit derjenigen von anderen zu vergleichen? Oder ist dieses Prinzip etwas mühsam Erlerntes, das uns gar nicht weiterbringt, sondern drangsaliert und bremst? Der dänische Philosoph Kierkegaard stellte fest: «Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.»
Im Wettbewerb spielt der Vergleich aber eine wichtige Rolle: Die Erwartungen an uns selbst oder an unseren Verein werden vom Leistungsniveau der anderen mitbestimmt. Es stellt sich die Frage, ob Glück und Wohlbefinden vom erreichten Rang abhängen oder von der Erfahrung, dass die Qualität der Vorbereitung zusammen mit dem Top-Vortrag ein einmaliges, nachhaltiges Musikerlebnis ermöglicht. Aber braucht es nun Wettbewerbe, um diese Erfahrung zu machen …?
Ernst May
Carte Blanche
Die Blasmusik ist vom Aussterben bedroht
Zwischen 1997 und 2023 hat der Schweizer Blasmusikverband ganze 35,4 % seiner Mitglieder verloren. Sie stirbt jedoch nicht aus, weil sich die Welt verändert, sondern weil viele Vereine hoffen, von diesem Wandel verschont zu bleiben. Veränderung wird gerne als Angriff von aussen gesehen, als etwas, das von Medien, Gesellschaft oder der Jugend ausgeht. Dabei gehört Wandel historisch zum Kern der Blasmusik. Besetzungen, Repertoires und Funktionen der Vereine haben sich stets einer sich wandelnden Welt angepasst. Genau das ist die Voraussetzung dafür, dass eine Tradition lebendig bleibt.
Die Antwort auf Mitgliederschwund, fehlenden Nachwuchs und einen erlebten Bedeutungsverlust liegt deshalb nicht im Klagen über gesellschaftliche Entwicklungen, sondern darin, sich von ihnen in die Zukunft tragen zu lassen. Wer sich dem Wandel stellt, muss entscheiden, wofür der eigene Verein stehen soll – und wofür nicht. Klare Ziele, bewusste Schwerpunkte und ein erkennbares Profil helfen, der Beliebigkeit zu entgehen, die entsteht, wenn man – wie es die meisten Vereine tun – immer für alle etwas bieten will.
Vereine sind somit keine Opfer des Zeitgeists, sondern Akteure ihrer eigenen Entwicklung. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft aktiv zu gestalten.
Foto: zVgVerband
BDV und ARDM am EMF
Die beiden Schweizer Blasmusik-Dirigentenverbände sind in Biel mit einem Infostand präsent, und zwar im ehemaligen Landschaftswerk Bielersee, Mattenstrasse 133, rund zehn Fussminuten östlich des Festzentrums:
DO–SA 18–19.30 h / Sonntag 16–17.30 Uhr
Benutzen Sie die Gelegenheit, uns kennenzulernen, zum Networking oder zum kameradschaftlichen Austausch bei einem Glas Bielersee-Wein!
Agenda
- 14.–17.5.: EMF, Biel
- 2.–5.7.: 69. Int. Rasteder Musiktage, Rastede (D)
- 3.–5.7.: Frank Ticheli Symposium, BDB Musikakademie, Staufen (D)
Vox Humana
«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.»
Karl Valentin
Impressum
Offizielles Mitteilungsorgan des Schweizer Blasmusik-Dirigentenverbands (BDV). Erscheint vierteljährlich im unisono.
Chefredaktor
Ernst May
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may.ernst@dirigentenverband.ch
Red. Mitarbeiter
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Adressänderungen
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beni.hodel@dirigentenverband.ch
29. Jahrgang
Die nächste MAESTRO-Ausgabe erscheint im unisono 6/2026.