Meisterkurs Dirigieren mit Edward Gregson in Bern

Porträt von Edward Gregson
Der englische Komponist Edward Gregson leitet im November 2025 einen Meisterkurs Dirigieren Blasmusik an der HKB.

Beitragsbild: zVg

Vom 5. bis 8. November 2025 findet an der Hochschule der Künste Bern (HKB) ein Meisterkurs in Dirigieren Blasmusik statt. Das HKB Brass Ensemble wird den Dirigierstudierenden aus der Klasse von Sandro Blank, Florian Ziemen und Philippe Bach als Kursorchester zur Verfügung stehen. Kursleiter wird der bekannte englische Komponist Edward Gregson sein. Das Abschlusskonzert findet am Samstag, 8. November 2025 um 20 Uhr im Yehudi Menuhin Forum in Bern statt.

Tatsächlich sind in den letzten Jahren die beiden «Paralleluniversen» (siehe Infobox) von Edward Gregsons Jugend bei zwei Gelegenheiten miteinander verschmolzen, woraus seine beeindruckendsten Arbeiten für sinfonische Blechbläser entstanden sind, nämlich die «Symphony in two Movements» und «Music of the Angels». Beide Werke werden am Abschlusskonzert des Meisterkurses zu hören sein.

Programmnotizen

Fanfare for a New Era

Die Auswahl von Gregsons Musik für sinfonische Blechbläser beginnt mit der umfangreichsten seiner vielen Fanfaren. «Fanfare for a New Era» wurde für die Eröffnung der Stoller Hall der Chetham’s School of Music in Manchester im April 2017 in Auftrag gegeben. Die Fanfare sollte den gesamten Raum ausfüllen und das Publikum mit dem «freudvollen Lärm» von festlichen Blechbläsern und Schlagwerk umgeben.

Symphony in two movements

Im gesamten Repertoire existieren nur eine Handvoll ausgewachsener Sinfonien für Blechbläserensemble – zwei bedeutende Beispiele sind die «zwölftonige Sinfonie» des US-Amerikaners Gunther Schuller aus dem Jahr 1950 sowie Malcolm Arnolds erdige «Symphony for Brass», die er 1978 für das Philip Jones Brass Ensemble schrieb.

Gregsons «Symphony in two movements», wie Schullers Sinfonie mit sechs Trompeten, vier Hörnern, drei Posaunen, Eufonium, zwei Tuben, sowie Pauken und Schlagwerk besetzt, wurde ursprünglich gemeinsam von den National Youth Brass Bands of Great Britain and Wales zur Feier ihres jeweils fünfzig- und dreissigjährigen Bestehens in Auftrag gegeben.

Während eines Besuchs der US Brass Band Championships anlässlich der dortigen US-Premiere des Werks im März 2014 wurde Gregson zur Machbarkeit einer Version für sinfonische Blechbläser befragt. Der Komponist sagte:

«Ich habe enthusiastisch auf die ldee reagiert, da ich wusste, dass die Art und der Stil des Stücks sehr gut zu einer sinfonischen Blechbläser- Instrumentierung passen würden.»

«Symphony in two movements» ist wohl Gregsons bis dato wichtigstes Werk für Blechbläser.

Edward Gregson

Edward Gregson (geb. 1945) begann im Alter von zwölf Jahren zu komponieren. Da er als Jugendlicher Mitglied einer Brass Band gewesen war, spielte der Blechbläserklang in seinem frühen musikalischen Leben zwangsläufig eine wichtige Rolle. Als noch wichtiger erwiesen sich jedoch die breiteren und vielfältigeren Pfade des klassischen Mainstreams.

Sein erstes Instrument war das Klavier, und Gregson erinnert sich noch immer an die Erregung, die er beim ersten Hören der grossen romantischen Klavierkonzerte verspürte:

«Ich muss ungefähr zwölf gewesen sein und habe mich sofort in sie verliebt – von Brahms über Rachmaninow zu Bartók. Ich lebte in einem Paralleluniversum musikalischer Erfahrungen – einerseits spielte ich die Musik ausgezeichneter Komponisten für Brass Band, andererseits war ich in die Mainstream-Musik des zwanzigsten Jahrhunderts vertieft.»

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Komposition von Konzerten – bis dato zwölf, darunter für Tuba, Klarinette, Saxofon und Violoncello – das Rückgrat seines Schaffens bildet. Es gibt auch ein Konzert für Orchester aus dem Jahr 1983, aber angesichts seiner Vorliebe für traditionelle sinfonische Formen erstaunlicherweise keine Sinfonie, bis Gregson 2012 zum ersten Mal diesen musikalischen Mount Everest in Angriff nahm – wenn auch mit dem Klang polierter Blechbläser statt dem eines vollen Sinfonieorchesters.

The Merry Love to Dance

Dieses Werk wurde speziell für das siebenköpfige Blechbläserensemble Septura geschrieben und ist ihm gewidmet. Der Titel stammt aus einem Gedicht von WB Yates mit dem Titel «The Fiddler of Dooney: And the merry love the fiddle, And the merry love to dance.» Dazu sagt Gregson:

«Meiner Meinung nach verkörpert nichts die Freude am Tanz besser als eine Gruppe von Blechbläsern, die sich richtig austoben!»

So entstand dieses Werk. Es ist für drei Trompeten, drei Posaunen und Tuba komponiert und als Tanzsuite in fünf Sätzen angelegt: Toccata, Sarabande, Menuett, Gigue und Toccata-Reprise, wobei barocke Tänze als verbindendes Element dienen. Diese verschiedenen Tänze sind hauptsächlich Bearbeitungen von Stücken, die ursprünglich für Klavier geschrieben wurden.

«The Merry Love to Dance» ist das neueste Werk in einer Reihe von Kompositionen, die Gregson für symphonische Blechbläserensembles geschrieben hat.

… and the seven trumpets …

1998 erhielt Gregson vom Dirigenten Martyn Brabbins den Kompositionsauftrag für ein kurzes Stück mit Chor zum Konzertauftakt anlässlich seines Debuts als musikalischer Leiter der Huddersfield Choral Society.

Die zehnminütige Fanfare «… and the seven trumpets…» basiert auf dem zweiten Vers von Kapitel 8 der Offenbarung des Johannes (Apokalypse), des letzten Buchs der Bibel: Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben.

Für die Aufführung wurde die gesamte Macht der Orgel der Huddersfield Town Hall sowie der Blechbläser des BBC Philharmonic eingesetzt, darunter sieben Trompeten und vier Hörner, die strategisch im Saal verteilt waren.

The Trumpets of the Angels

Im folgenden Jahr, als er von der in Cheshire ansässigen Foden’s Band einen Kompositionsauftrag für ein Werk zur Feier ihres hundertjährigen Bestehens im Jahr 2000 erhielt, griff Gregson als Grundlage für ein ambitioniertes feierliches Werk namens «The Trumpets of the Angels» auf den ersten Teil von «… and the seven trumpets…» zurück. Laut dem Komponisten war «die Gelegenheit, ein umfangreiches Werk zu schaffen, das den Rahmen der Brass Band sprengen würde, ein wichtiger Meilenstein für mich.»

Music of the Angels

2015 erstellte er für die Black Dyke Band eine neue Aufführungs-Edition ohne Orgel, und 2018 wandte er sich ein drittes Mal der gleichen Musik zu, wobei er die Eröffnungsfanfaren wieder dem Orchesterblech anvertraute und grosse Abschnitte der «Black Dyke-Fassung» umarbeitete, um «Music of the Angels» zu erschaffen, ein dramatisches Gemälde für sinfonische Blechbläser und Schlagwerk.

Ein Glocken- und Gong-Aufgebot bietet einen unmissverständlichen Hinweis auf Gregsons Inspirationsquelle. Das Werk ist mit «in tribute to Olivier Messiaen» überschrieben, und sein Hauptmaterial sowie seine Klangwelt – aber massgeblich nicht die zugrundeliegenden musikalischen Abläufe – sind von Messiaens Meisterwerk für Bläser und Schlagwerk «Et exspecto resurrectionem mortuorum» (1964) beeinflusst.

Meisterkurs zur passiven Teilnahme geöffnet

Die Hochschule der Künste Bern HKB ermöglicht allen interessierten Personen eine kostenlose passive Teilnahme.

Zeitplan*

Mittwoch, 5.11.2025

Ort: Papiermühlestrasse 13d-GKS

  • 09.30–12.30 Uhr, 1. Probe HKB Brass Ensemble
  • 15.00–18.00 Uhr, 2. Probe HKB Brass Ensemble
  • 20.00–21.30 Uhr, Komponistenportrait Edward Gregson

Donnerstag, 6.11.2025

Ort: Papiermühlestrasse 13d-GKS

  • 09.30–12.30 Uhr, 3. Probe HKB Brass Ensemble
  • 13.30–16.30 Uhr, 4. Probe HKB Brass Ensemble

Freitag, 7.11.2025

Ort: Papiermühlestrasse 13d-GKS

  • 09.30–12.30 Uhr, 5. Probe HKB Brass Ensemble
  • 13.30–16.30 Uhr, 6. Probe HKB Brass Ensemble

Samstag, 8.11.2025

Ort: Yehudi Menuhin Forum Bern

  • 10.30–12.00 Uhr, Stellprobe HKB Brass Ensemble
  • 14.00–16.00 Uhr, Composers Talk WASBE Swiss Section
  • 20.00–21.00 Uhr, Konzert HKB Brass Ensemble

*Änderungen vorbehalten

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