Mit Leib und Seele Blasmusiker

Porträt Josef Fink
Josef «Seppi» Fink hat in seiner Karriere beachtliches geleistet.

Beitragsbild: Hanspeter Thommen

Josef Fink, Dirigent des Regio Blasorchesters 50 plus, schaut auf eine lange und vielfältige Karriere als Musiker und Dirigent zurück.

Als Autor Hanspeter Thommen Josef Fink um ein Interview für ein Porträt über ihn bat, fragte er ihn: «Was gibt es schon über mich zu schreiben?» Diese Frage spiegelt die Bescheidenheit wider, eines der Markenzeichen von Josef Fink. Dabei hat Josef Fink, von seinen Freunden liebevoll Seppi genannt, in seiner Karriere beachtliches geleistet.

Mit dem Velo in die Jugendmusik

Geboren und aufgewachsen ist Seppi Fink in Lausen BL. Sein Vater Kurt war selbst ein begeisterter Musikant. Seppi liess sich von dieser Begeisterung anstecken und wollte schon als kleines Kind ein Instrument spielen. Sein Vater war der Meinung, dass erst die Theorie erlernt werden müsste, was dem Knaben aber nicht passte. Schliesslich gab der Vater dem Sohn doch noch Unterricht, zuerst auf dem Flügelhorn, dann auf dem Tenorhorn.

Schliesslich durfte Seppi in der von seinem Vater gegründeten Jugendmusik Bubendorf und bald danach im Musikverein Bubendorf mitspielen. Doch Seppi musste immer mit dem Velo von Lausen nach Bubendorf fahren und nicht mit seinem Vater im Auto. Letzterer ging nach den Proben jeweils nach Arboldswil an den Jasstisch.

Karriere im Militär, als Bandleader und Arrangeur

Der begeisterte Junge schaffte den Sprung in die Militärmusik. Die Rekrutenschule absolvierte er mit dem Tenorhorn. In späteren Jahren gab es für ihn im Militär aber auch Einsätze mit dem Sousaphon oder sogar mit dem Alto-Saxophon.

Das Saxophonspielen hatte sich Seppi für ein zweites musikalisches Standbein selbst beigebracht. In den sieben Jahren ihres Bestehens war er Bandleader der Tanzmusikband «Combo 70». In dieser Band von Vollblutmusikern wurden alle Stücke ohne Notenblätter gespielt.

Dies änderte sich bei der nächsten Formation, in der Seppi mitwirkte, dem «Wildenteiner Septett». Für diese Formation hörte sich Seppi bekannte Stücke ab Tonband an und schrieb die gehörten Noten auf. Deshalb war er jeweils ganz erpicht darauf, dass die Stücke streng nach Noten gepielt wurden.

Das vielseitige Talent von Josef Fink blieb dem legendären Militärmusik-Instruktor Adj Uof Walter Spieler nicht verborgen. Dieser motivierte Seppi, sich in der Militärmusik weiterzuentwickeln. Schliesslich schaffte er es bis zum Spielführer. Höhepunkt in dieser Karriere war, dass er eine 125-köpfige Grossformation einer Grenzbrigade auf einer Konzerttournee durch die ganze Nordwestschweiz leiten durfte. Später verschönerte er als Leiter des Entlassungsspiels manchem Wehrpflichtigen den Abschied von der Armee.

Langjähriges Engagement als Dirigent

Seppis Vater war der Meinung, dass ein derart gut ausgebildeter Musikant sein Können als Dirigent weitergeben müsse. So wurde Seppi 1973 für sechs Jahre Dirigent des Musikvereins Arisdorf.

Seit seiner Jugend war Josef Fink Mitglied des Musikvereins Bubendorf. Als für diesen 1981 ein Dirigent gesucht wurde, bat ihn der Vorstand, diesen Posten zu übernehmen. Seppi sagte zu und blieb dem Musikverein Bubendorf ganze 31 Jahre als Dirigent erhalten. Unter seiner Leitung erklomm der Musikverein Bubendorf ungeahnte Höhen.

Von Hamburg bis Basel mit den Bubendörfern

Besonders legendär waren die Bubendörfer in der Marschmusik. Europaweit kannte und schätzte man diesen Verein mit seinen blau-weissen Paradeuniformen. So durfte der Musikverein Bubendorf in Hamburg, Hannover, Muhlhouse und anderen Orten mit seiner Marschmusikshow brillieren. Als Höhepunkt bezeichnet Seppi Fink die Teilnahme am Basel Tattoo 2007 als einzige zivile Formation.

Aber auch die Unterhaltungsshows des Musikvereins Bubendorf waren weit herum beliebt. Bei der Erarbeitung der Shows wurde Josef Fink unterstützt, unter anderem von Kurt Mundschin und Peter Günthert. Heute sagt er, dass er immer das Glück hatte, gute Leute um sich zu haben.

Porträt Josef Fink Foto: Hanspeter Thommen
Seppi Finks Herz schlägt schon sein Leben lang für die Blasmusik.

Noten mit Namen und keine leeren Stühle im Probenlokal

Wichtig war und ist für Josef Fink die Probenvorbereitung. Er war immer bereits mindestens eine Stunde vor Probenbeginn im Probenlokal. Dort stellte er immer die Stühle und Notenständer bereit für die Musikantinnen und Musikanten. Deshalb war er auch sehr streng mit der Forderung, dass sich Fehlende rechtzeitig bei ihm abmelden. Vor leeren Stühlen zu dirigieren kam für ihn nicht in Frage.

Als weitere «Dienstleistung» schrieb er jedes Notenblatt mit dem Namen der Musikantin oder des Musikanten an. So konnte niemand behaupten, die Noten nicht bekommen zu haben. Für seine Verdienste wurde Josef Fink vom Musikverein Bubendorf zum Ehrendirigenten ernannt.

Einsatz für die kantonale Musikkommission

Auch auf kantonaler Ebene war Josef Fink sehr aktiv. Er wurde Mitglied und später auch Präsident der Musikkommission des Musikverbands Baselland, dem heutigen Musikverband beider Basel. In dieser Zeit prägte er mit seinem Wissen das blasmusikalische Geschehen in unserem Kanton.

Darüber hinaus wurde und wird Josef Fink oft als Experte bei Wettspielen angefragt, naheliegend meist bei Parademusik-Wettbewerben.

Ein Orchester mit über 60 Mitwirkenden

2017 übernahm Josef Fink die Leitung des Regio Blasorchesters 50 plus. Als er diese Formation zu leiten begann, bestand sie aus 34 Musikantinnen und Musikanten. Unter seiner musikalischen Führung verdoppelte sich die Mitgliederzahl bis heute.

Dieses Orchester erfreut sich nicht nur bei den Musizierenden, sondern auch beim Publikum grösster Beliebtheit. Wo das Regio Blasorchester 50 plus auftritt, kann es vor vollbesetzten Sälen spielen. Dies freut natürlich auch Josef Fink. Deshalb will er die Leitung dieses Orchesters ausüben, solange seine Gesundheit es zulässt. Josef Finks Herz schlägt eben voll und ganz für die Blasmusik.

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