Musizieren in heissen Zeiten

Porträt Lara Bergliaffa
Lara Bergliaffa, italienischsprachige Redaktorin von «unisono»

Liebe Musikantin,
lieber Musikant

Ich schreibe diesen Leitartikel Mitte August, an einem Tag, von dem ich hoffe, dass er der letzte einer langen, von viel zu hohen Temperaturen geprägten Hitzeperiode ist. Und das hoffe ich in diesem Sommer nicht zum ersten Mal …

Wer nicht in einer Wohnung mit Klimaanlage wohnt oder in luftigen Höhen, wo die Temperaturen nachts ein wenig abkühlen, der weiss, wie frustrierend das Musizieren an einem heissen Tag wie heute ist, an dem ich am Computer brüte. Sei es das tägliche Üben oder die Vorbereitung auf einen Auftritt (vielleicht in einem stickigen Saal oder unter einer erbarmungslosen Sonne …), in den letzten Monaten war es eine echte Herausforderung. Grundsätzlich erfordert das Spielen jedes Instruments körperliche Anstrengung, doch ein Blasinstrument, das von unserem Atem lebt, bezieht den ganzen Körper ein; das Spielen ist sehr anstrengend, und bei milderen Temperaturen wäre das Ergebnis, wie wir wissen, eindeutig besser.

In diesen nicht gerade angenehmen Übezeiten schweifen meine Gedanken oft zu den Jugendlichen, die einen Teil ihres Sommers ihrem Instrument gewidmet haben: zu denjenigen des Nationalen Jugendblasorchesters (NJBO) und der Nationalen Jugend Brass Band (NJBB), die es sicherlich viel Mühe gekostet hat, Proben und Konzerte zu meistern, die aber auch, gestärkt durch die Verbundenheit mit ihren Musikkolleginnen und -kollegen, die grosse Freude am Teilen ihrer Leidenschaft erleben durften. Ganz besonders denke ich an jene, die an den SOLO-Finals des SWISS WINDBAND AWARD teilgenommen haben: Allein und geduldig haben sie systematisch auf ihren Instrumenten geübt, um sich auf den Moment vorzubereiten, in dem sie vor der Jury spielen würden.

Wer dieses Editorial liest, hat bereits Zugriff auf die Namen der Gewinnerinnen und Gewinner, während mir beim Schreiben erst die Kandidatenliste vorliegt. Die Ehre des Sieges gebührt ihnen zweifellos, doch die Rangliste selbst ist für mich im Moment zweitrangig. Wie auch immer sie aussieht: All diese jungen Frauen und Männer haben gezeigt, dass sie – nebst einem gewissen angeborenen Talent, das natürlich die Grundlage bildet – den Willen haben, Grosses zu leisten. Ihre Ausdauer beim Üben hat ihnen bereits mindestens einen Erfolg beschert – sonst hätten sie sich nicht für diesen nationalen Wettbewerb qualifiziert. So haben sie beharrlich weitergemacht, sich verbessert und etwas Schönes geschaffen, das sie mit anderen teilen können. In diesem Sinne macht ihre Teilnahmen an Wettbewerben sicherlich nur einen kleinen Teil der Beziehung sichtbar, die sie mit ihrem Instrument pflegen.

Wer weiss, welche Temperaturen uns der nächste Sommer und die Sommer der nächsten Jahre bescheren werden. Wir müssen Strategien finden, um damit umzugehen, denn der Trend wird sich wahrscheinlich nicht umkehren. Wenn euch an heissen Sommertagen beim Anblick des Instruments akute Unlust überkommt, macht es wie diese jungen Leute: Denkt daran, dass diese Anstrengung nur ein kleiner Teil der Leidenschaft ist, die uns alle verbindet.

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