Im Geschäftsjahr 2024 des Schweizer Blasmusikverbands wurde u.a. ein neues Format für die Nachwuchs- und Talentförderung geschaffen, das den Solo-Wettbewerb für Teilnehmende attraktiver macht. Die Hitobito-Schulungen sind soweit abgeschlossen, für die Vakanzen auf der Geschäftsstelle laufen Übergangslösungen, die Digitalisierung von «unisono» ist weit vorangeschritten und die Aus- und Weiterbildungsreform in der Umsetzungsphase.
Der Vizepräsident des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) Michel Graf, der Musikkommissionspräsident Thomas Trachsel und die beiden Verbandsleitungsmitglieder Eric Kunz und Simon Betschmann blicken auf ihre Projekte 2024 zurück.
Hitobito: Intensive Schulungsphase abgeschlossen
Simon Betschmann berichtet: «Die Ende 2022 begonnenen Hitobito-Schulungen haben im letzten Jahr wohl ihren Höhepunkt erreicht. An 16 Abend- bzw. Samstagmorgen-Terminen konnte ich unzählige interessierte Vereine in den Kantonen Bern und Zürich schulen.»
Foto: Régis GobetBisher fanden in den Kantonen Tessin, Basel, Thurgau, Solothurn, Glarus, Aargau, Schwyz, Bern und Zürich Schulungen statt. In diesen wurde den Teilnehmenden aufgezeigt, wie sie Hitobito korrekt, noch einfacher und effizienter anwenden und so einen Mehrwert für sich, ihren Kantonalverband und letztlich auch für den SBV schaffen können. Weitere Kantonalverbände haben sich nicht für eine Schulung interessiert, was sich leider auch in der Datenqualität dieser Kantone zeigt. Dies ist aus Sicht der Verbandsleitung bedauerlich, in einem föderalistischen System aber hinzunehmen.
Hitobito wird inzwischen von über 4000 Vereinen mit über 475 000 Mitgliedern genutzt. Vom Beitritt des Schweizer Alpenclubs (SAC) hat auch der SBV profitiert: «Die von den einzelnen Anwendern finanzierten Weiterentwicklungen fliessen jeweils zurück in den grundsätzlich frei verfügbaren Hitobito-Code», erklärt Betschmann.
Foto: Nathalie Gobet-VialDie SOLO-Finals als attraktives Aushängeschild
Die SOLO-Finals (ehemals Prix Musique) des SWISS WINDBAND AWARD sind das Flaggschiff des SBV im Bereich der Nachwuchs- und Talentförderung. Diese wurden mit dem Halbfinal vom 31. August und dem Final vom 14. September 2024 zum wiederholten Male in Partnerschaft mit dem Kompetenzzentrum Militärmusik organisiert und durchgeführt. Dank der grosszügigen Unterstützung durch das Musikhaus Zurkinden aus Düdingen konnten sämtliche Finalisten nebst Pokal und Preisgeld auch je einen Gutschein in der Höhe von 1000 Franken aus den Händen von Beat Zurkinden entgegennehmen.
Foto: Roger Stöckli«Wir hoffen, dass wir diesen Wettbewerb ab 2025 mit seiner Überarbeitung und der Trennung in die Bereiche SOLO-Finals Wind Instruments (Holz- und Blechblasinstrumente) und SOLO-Finals Percussion (Modern Percussion und Classic Percussion) für die Teilnehmenden noch attraktiver gestalten und neu durchstarten können», sagt SBV-Vizepräsident und Verantwortlicher SOLO-Finals Michel Graf.
Vakanzen auf der Geschäftsstelle
«Es ist uns nicht gelungen, die Aktivitäten und Aufgaben auf der Geschäftsstelle in Aarau optimal zu organisieren», gibt Eric Kunz unumwunden zu. Die Gründe dafür waren vielfältig: Absenzen, Führungskultur, interdisziplinäre Schwierigkeiten, nicht eingehaltene Fristen und Ziele. «Wir mussten angesichts der negativen Elemente Entscheidungen treffen: Im gegenseitigen Einvernehmen haben wir uns von den betroffenen Personen getrennt oder sie verliessen uns aus persönlichen Gründen.»
Für 2024/2025 hat die Verbandsleitung eine Übergangsorganisation eingerichtet und für zehn Monate bis zum 30. Juni 2025 Jan Frischknecht als Verwaltungsassistent eingestellt. Dies, um die Kontinuität zu gewährleisten und vor allem wieder eine gewisse «Ruhe im Haus» herzustellen. Auch haben die Verbandsleitungsmitglieder mehrere Aufgaben übernommen. Für die Betroffenen war es nicht einfach, aber sie haben alles getan, um die laufenden Bedürfnisse zu erfüllen und sicherzustellen, dass das Sekretariat möglichst gut funktioniert.
Ziel ist es, nach Überarbeitung des Pflichtenhefts für die Musikkommission im Frühling 2025 Personen zu finden, die den Profilen optimal entsprechen. Zudem wird soweit möglich in der Blasmusik nahestehenden Organisationen nach Kandidatinnen und Kandidaten gesucht. «Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft und danken den Mitgliedsverbänden für ihre Unterstützung während der Vakanzen auf der Geschäftsstelle» so Kunz abschliessend.
Foto: Régis GobetVollständig aktiviert: unisono Print und digital
Beim unisono ist die Umstellung von Print auf digital vollständig aktiviert. Das Ziel, Informationen online und in sozialen Netzwerken zu verbreiten, erhält Priorität und wird initialisiert. Seit dem 1. Januar 2024 arbeitet die SBV-Redaktion auf dieser Grundlage.
«Die genutzten Instrumente, die Arbeitsqualität, die ausgezeichneten digitalen wie auch Printausgaben sowie die Rückmeldungen der Mitgliedsverbände bestätigen, dass die eingeführte Strategie die richtige ist. Wir können die hervorragende Arbeit der Redaktion nur loben: Sie hat die zukünftige Kommunikation des SBV auf den Weg gebracht und intensiviert», bedankt sich Eric Kunz bei der SBV-Redaktion, für die er seitens Verbandsleitung zuständig ist.
Überregionale Kompetenzzentren für die Blasmusik
«Als grossen und wohl auch wichtigsten Schritt in die Zukunft ist die von den Kantonalverbänden mitgetragene Aus- und Weiterbildungsreform zu nennen, deren Umsetzung letzten Herbst an der Mitgliederratskonferenz in Visp lanciert wurde», hält SBV-Musikkommissionspräsident Thomas Trachsel in seinem Jahresbericht fest und fährt fort: «Freudig dürfen wir feststellen, dass einige Kantonalverbände die Anstrengungen bereits vorantreiben und das entsprechende Ausbildungsangebot in ihrem Kompetenzzentrum Blasmusik aufgleisen. Als weiteren Meilenstein will die SBV-Muko die Neuauslegung der Zertifikatsausbildung für Dirigentinnen und Dirigenten mitgestalten und mitaufbauen.
Zudem soll die Zugänglichkeit für interessierte Musikerinnen und Musiker zum J+M-Programm besser gewährleistet werden. Die Muko ist bestrebt, die Regelungen für die Aufnahme in die Ausbildung zur J+M-Leitperson anzupassen bzw. dafür zu sorgen, dass möglichst viele Interessierte diesen J+M-Status erlangen können. Eine grosse Herausforderung dabei bleibt der Pädagogik-Bereich. Das Bundesamt für Kultur entwirft derzeit einen neuen Ansatz, damit bald auch dieser Ausbildungsteil effizienter durchgeführt werden kann.
Foto: Régis GobetBlick in die Zukunft und auf das Literaturerbe
In den nächsten Jahren werden die Eidg. Musikfeste 2026, 2031, 20XX die SBV-Muko stark beschäftigen. Es geht um die Durchführbarkeit in der Zukunft wie auch darum, die Form der Wettbewerbe (inkl. Jurywesen) zu diskutieren. «Diese Thematik möchten wir gemeinsam mit den Kantonalverbänden angehen», so Trachsel.
Die SBV-Muko ist sich ihrer Verantwortung gegenüber dem kulturellen Erbe in Bezug auf die Schweizer Blasmusikliteratur sehr wohl bewusst und strebt daher an, die Seite swisswindrep.ch weiter auszubauen. Mit diesem Schweizer Online-Literaturlexikon soll das kompositorische Schaffen in der Schweiz nachhaltig erläutert, gefördert und festgehalten werden. «Dazu brauchen wir die Unterstützung der Verlage und ihrer Komponistinnen und Komponisten, dass sie uns ihre Literatur melden, damit wir diese darin aufführen können.»
Die Jahresrückblicke von Präsidentin Luana Menoud-Baldi, Vizepräsident Hans Seeberger, Finanzleiter Hanspeter Frischknecht und den Verbandsleitungsmitgliedern Peter Börlin und Markus Maurer folgen in der April-Ausgabe.