Vor 150 Jahren starb Georges Bizet

Porträt Georges Bizet
Georges Bizet in una fotografia di Étienne Carjata del 1875.
Der französische Komponist, der durch seine Oper „Carmen“ weltberühmt wurde, starb vor hundertfünfzig Jahren mit sechsunddreissig, ohne den grossen Erfolg der in Sevilla spielenden Oper miterlebt zu haben.

Georges Bizet wird am 25. Oktober 1838 in Paris in einer Familie geboren, die sich der Musik verschrieben hat. Seine Mutter ist Pianistin und bringt Georges von klein auf die ersten Grundlagen des Instruments bei. Sein Vater ist Gesangslehrer. Ebenso wie einer seiner Onkel, François Delsarte, ein in ganz Europa bekannter Spezialist für Christoph Willibald Gluck.

Hausfassade mit Blick von unten nach oben Foto: staroad.fr/wikimedia
Bizets Geburtshaus an der Rue de la Tour d’Auvergne 26 in Paris.

Erste musikalische Schritte

Im Alter von neun Jahren tritt Georges, ein Einzelkind, in das Pariser Konservatorium ein, wo er 1851 einen ersten und 1852 einen zweiten Preis für Klavier gewinnt. Zu diesem Studium gesellen sich später das der Orgel (mit einem ersten Preis 1854 und einem zweiten 1855) und das der Komposition bei Fromental Halévy, einem Komponisten zahlreicher Opern. Im Alter von nur siebzehn Jahren komponiert er seine erste Symphonie, die erst 1933 im Archiv des Konservatoriums wiederentdeckt und 1935 in Basel uraufgeführt wird. Im Alter von neunzehn Jahren gibt er sein Operndebüt mit der Operette «Le Docteur Miracle», die am 9. April 1857 aufgeführt wird. Unmittelbar darauf folgt die Kantate «Clovis et Clotilde», die ihm den prestigeträchtigen Prix de Rome und einen dreijährigen Aufenthalt in der Villa Medici, dem römischen Sitz der französischen Akademie, einbringt. Dieser Zeit erweist sich als sehr wichtig für den jungen Mann, der endlich frei leben und sich von den strengen schulischen und mütterlichen Regeln befreien kann, denen er immer unterworfen gewesen ist.

Etablierung in Frankreich

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich beginnt er seine Karriere als Lehrer und Komponist. 1863 komponiert er für das Théâtre-Lyrique die Oper «Les Pêcheurs de perles», über die der bekannte Hector Berlioz eine sehr positive Kritik veröffentlicht. Drei Jahre später ist «La Jolie Fille de Perth» an der Reihe. Und noch drei Jahre später, 1869, heiratet er im Alter von 30 Jahren die Tochter seines inzwischen verstorbenen Kompositionslehrers am Conservatoire. Die zwanzigjährige Geneviève Halévy stammt aus einer wichtigen jüdischen Familie, zu der auch Ludovic Halévy gehört, der spätere Librettist von «Carmen». Das junge Paar hat einen Sohn, Jacques.

Bizet setzt seine Karriere als Komponist verschiedener Stücke und Transkriptionen fort und komponiert 1872 die Bühnenmusik zu Alphonse Daudets «L’Arlésienne». Das Stück hat keinen grossen Erfolg, aber der Komponist macht daraus eine Orchestersuite, deren Erfolg bis heute anhält (eine zweite Suite wurde 1872 von Ernest Guiraud orchestriert).

Foto von Bizets Grab Foto: Aleksandr Zykov/wikimedia
Das Grab von Bizet auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris

Die Entstehung von «Carmen»

Bizet ist nicht glücklich: Seine Opern werden von der Kritik zwar stets gelobt, haben aber keinen grossen kommerziellen Erfolg; er ist gezwungen, weiterhin Klavierunterricht zu erteilen und verschiedene Aufträge für Verleger auszuführen. Seine Frau ist labil und eitel (sie soll die Inspiration für die Figur der Carmen gewesen sein), und Anfang 1874 verlässt sie ihn. Einige Monate später kehrt sie zurück, doch von diesem Moment an führen die Ehepartner ein getrenntes Liebesleben.

In dieser Situation erhält Bizet von der Opéra-Comique den Auftrag für ein «leichtes und heiteres» Werk. 1875 zieht der Musiker in ein kleines Dorf an der Seine, Bougival, um in aller Stille die Orchestrierung von «Carmen» zu vollenden, die sich als weit entfernt von den Vorstellungen der Auftraggeber herausstellt: 1200 Seiten Partitur für eine Oper, deren Handlung sogar von den Sängern, die für die Aufführung engagiert worden sind, als «unanständig» bezeichnet wird.

Für Blasmusik

Auszüge aus «Carmen» und den Suiten aus «L’arlesienne» sowie andere Stücke von Georges Bizet sind in verschiedenen Ausgaben für Blasmusikbesetzungen bearbeitet worden.

Der Tod vor dem Erfolg

Am 3. März wird «Carmen» uraufgeführt: Die Premiere ist eine Katastrophe. Publikum und Kritiker sind empört über die Geschichte und die Presse verurteilt sie. Ein schwerer Schlag für Bizet, der an Angina erkrankt und sich in Bougival versteckt, wo ein Bad im eiskalten Wasser der Seine ein Aneurysma (Gefässerweiterung im Hirn) auslöst, das in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni zu einem Herzinfarkt und seinem Tod führt

Von seinen rund 120 Kompositionen ist die berühmteste zweifellos «Carmen», die nach seinem Tod überall einen rasanten Erfolg erlebt: In Wien besucht sie Johannes Brahms nicht weniger als zwanzig Mal. Die Oper wird erst wieder an der Opéra-Comique inszeniert, nachdem sie in der ganzen Welt Erfolge gefeiert hat. Heute tragen eine Musikschule im 20. Arrondissement von Paris sowie eine Strasse im 16. den Namen Bizets. Die Witwe des Komponisten stiftete einen nach ihm benannten Preis für Komponisten unter 40 Jahren.

«Carmen»

Die Oper ist eine Adaption der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée und die Handlung spielt in Sevilla zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Don José, ein junger Brigadier, der in der Stadt dient, lernt die charmante Fahrende Carmen kennen und verliebt sich unsterblich in sie, wobei er Micaela, seine Adoptivschwester, die er heiraten wollte, vergisst. Um Carmen zu gefallen, wird er zum Schmuggler und führt ein Leben als Gesetzloser, bis Micaela zu ihm kommt und ihm mitteilt, dass seine Mutter gestorben ist. Von Eifersucht zerfressen bei dem Gedanken, Carmen allein zu lassen, muss Don José abreisen. Während er weg ist, verliebt sich Carmen in den Stierkämpfer Escamillo. Bei einem dessen Stierkämpfe trifft der unterdessen ruinierte Don José Carmen wieder; er bietet ihr an, mit ihm in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen, und als sie ablehnt, tötet er sie mit seinem Dolch.

Plakat für die Uraufführung von «Carmen» Foto: Adam Cuerden/wikimedia
Das von Prudent-Louis Leray entworfene Plakat für die Uraufführung von «Carmen»

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