Das Avenches Tattoo fand zum neunzehnten Mal statt, zum dritten Mal im Nationalgestüt, da die römische Arena derzeit renoviert wird. In einem Interview blickt Direktor Ludovic Frochaux auf das Jahr 2025 zurück und gibt einen Überblick über die aktuelle Lage.
Ludovic Frochaux, welche Eindrücke hinterlässt diese Ausgabe bei Ihnen?
Da ist zuerst das Gefühl, die bisher erfolgreichste Ausgabe des Avenches Tattoo auf die Beine gestellt zu haben. Zusammen mit dem musikalischen Leiter Etienne Mounir und dem künstlerischen Berater Sébastien Corthésy ist es uns gelungen, einen roten Faden zu knüpfen – die keltischen Horizonte – und vor allem die Formationen häufiger miteinander spielen zu lassen, nicht nur bei der Eröffnung und beim Finale. Aber natürlich empfinde ich auch Dankbarkeit gegenüber allen Akteuren des Avenches Tattoo, seien es die Künstler oder das gesamte Team, die dieses Festival zu dem machen, was es ist. Und die Magie der römischen Arena wirkt auch im Nationalgestüt.

Das Publikum ist zahlreich erschienen. Das Avenches Tattoo bleibt somit ein grosses Kulturereignis …
Der Andrang war überaus erfreulich, ja, und der Samstagabend war sogar ausverkauft, das hat es seit 2014 nicht mehr gegeben! Dieses Jahr waren 30 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer zum ersten Mal dabei. Das zeugt von Interesse oder Neugier und ist ermutigend. Das Avenches Tattoo hat sich also einen festen Platz in der Kulturszene der Westschweiz und darüber hinaus erobert. Zudem hat es eine Vorbildfunktion für junge Menschen, die erkennen, dass man mit ernsthafter Arbeit vor 4000 Menschen auftreten und einzigartige Emotionen erleben kann. Das ist unsere Mission und zugleich unsere DNA.
Sie haben eine ukrainische Formation eingeladen. Das war wahrscheinlich ein riskantes Unterfangen …
Ja, denn die Unsicherheit hielt an, bis sie die polnische Grenze überquert hatten und in die Europäische Union einreisten. Hinzu kam noch ein Personalabbau: Fünf ihrer Musiker wurden kurz vor ihrer Abreise an die Front geschickt. Und zu allem Überfluss konnten sie erst einen Monat vor ihrer Abreise richtig proben. Aber künstlerisch gesehen hatten wir nie Zweifel an der Qualität ihres Auftritts. Der emotionale Aspekt spielte schliesslich eine grosse Rolle, umso mehr, als sie sich bei der Schweizer Bevölkerung bedankten.

Abgesehen von der Formation, über die wir gerade gesprochen haben: Was hat Ihnen am besten gefallen?
Foto: ©RawkingphotoEs ist immer schwierig, einen Favoriten zu benennen, da sich diese Art von Veranstaltung durch ihre Vielfalt auszeichnet. Aber jetzt ohne Patriotismus: Ich bin immer wieder beeindruckt von der Fähigkeit der Schweiz, Talente hervorzubringen. Hier muss man die unglaubliche Leistung des Rekrutenspiels hervorheben. Am Ende seines Auftritts gab es Standing Ovations. In diesem Zusammenhang muss auch die Schweizer Celtic Band The Trippers und insbesondere ihre Solistin Anaïs Hess erwähnt werden. Sie hatte 2021 den Prix Musique des SBV [heute SOLO-Finals, Anm. d. Red.] gewonnen. In Avenches verzauberte sie buchstäblich das Publikum mit ihrer Querflöte und keltischen Flöte, aber auch mit ihrem Gesangstalent. Wir sind auch stolz darauf, Schweizer Talente zu präsentieren, die der breiten Öffentlichkeit vielleicht noch unbekannt sind. Nicht zu vergessen das Majesticks Drum Corps oder die Lucerne Marching Band, weitere Schweizer Formationen, die das Publikum des Avenches Tattoo 2025 begeisterten.
Foto: RawkingphotoSie integrieren immer eine Reitszene in die Show. Wird das Pferd nach und nach Teil der DNA des Avenches Tattoo?
Da wir derzeit im Nationalgestüt auftreten, ist es uns natürlich wichtig, diese wunderschönen Pferde, die Freiberger, ins Rampenlicht zu rücken. In gewisser Weise sind wir hier bei ihnen zuhause, und da ist dies nur fair. Aber wir hatten im römischen Amphitheater auch schon Pferde einbezogen.
Es ist die dritte Ausgabe im Nationalgestüt. Das Avenches Tattoo scheint sich dort gut eingelebt zu haben …
Ja, wir haben uns gut eingelebt, wenn wir auch wissen, dass wir noch einiges verbessern müssen. Und ich glaube, dass sich auch das Publikum dort wohlfühlt. Der Ort eignet sich für diese Art von Veranstaltung: gute Akustik und Logistik, aber auch die Nähe zu den Künstlern. Sobald die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, werden wir jedoch eine Rückkehr in die römische Arena in Betracht ziehen. Denn sie ist das Wahrzeichen des Festivals und der Stadt Avenches.
Vor drei Jahren war von einer Dauer von sieben Jahren für die Renovierung der römischen Arena die Rede. Bislang ist jedoch noch nichts Konkretes geschehen. Gibt es neue Erkenntnisse?
Das trifft in doppelter Hinsicht zu: Für 2022 war eine siebenjährige Bauzeit angekündigt worden, doch die Arbeiten haben noch nicht begonnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man von der Planung abweicht, die schon immer eine Studienphase vorsah. Diese neigt sich nun dem Ende zu und dürfte den Weg für die Bauarbeiten frei machen, die 2029 abgeschlossen sein sollen. Der vor einigen Jahren vorgegebene Zeitrahmen war also nicht völlig unrealistisch. Natürlich werden wir mehr wissen, sobald der operative Teil tatsächlich begonnen hat. Da das Amphitheater Eigentum des Kantons ist, liegt das Dossier übrigens in den Händen des Kantons Waadt.
Nächstes Jahr feiert das Avenches Tattoo sein 20-jähriges Jubiläum. Können Sie uns schon ein paar Informationen zum Programm geben?
Seit einigen Jahren geben wir vor dem Frühjahr nichts mehr bekannt. Sie müssen sich also noch ein wenig gedulden. Aber wir werden diese Idee des roten Fadens und der «Vermischung» der Musikformationen während der gesamten Show beibehalten. Natürlich gibt es zum 20-jährigen Jubiläum einige Überraschungen und einige grosse Namen, das versprechen wir Ihnen.
Positive Bilanz
Das Avenches Tattoo 2025 zog fast 14’500 Zuschauer an. Für diese Ausgabe, die nebst Schweizer Formationen auch solche aus Frankreich, Lettland, der Ukraine und Grossbritannien vereinte, ziehen wir also eine positive Bilanz. Die 20. Ausgabe findet vom 3. bis 5. September 2026 im Schweizer Nationalgestüt in Avenches statt.