Drei Jahrzehnte Leidenschaft

Porträt Jean-Claude Kolly
Jean-Claude Kolly souligne la passion qui a imprégné ses trois décennies à la tête de La Concordia.
Während über dreissig Jahren leitete Jean-Claude Kolly die Concordia Freiburg – eine Höchstklasse-Harmonie – auf diesem Niveau ein aussergewöhnliches langes, von unauslöschlicher Leidenschaft geprägtes Engagement.

«Die Concordia ist heute ein Ensemble mit enormem Potenzial, das drei oder vier Programme pro Saison bewältigen kann. Für mich ist es aber auch eine grosse Familie, in der viele starke und dauerhafte Freundschaften entstanden sind», sagt Jean-Claude Kolly, wenn er von der Freiburger Harmonie spricht.

Instrumentale Wende

Als er die Concordia 1993 übernahm, bestand die erste Herausforderung darin, die Wende zu einer echten Harmonieinstrumentierung abzuschliessen, die Eric Conus eingeleitet hatte, ihr Dirigent von 1983 bis 1993. Das Repertoire war damals zwar nicht begrenzt, doch das Gleichgewicht zwischen den zu vielen Blechbläsern und den Holzbläsern wurde manchmal zu einer Mission Impossible. Als dann einige Musiker das Instrument wechselten, war der Übergang einfach», erinnert sich Jean-Claude Kolly.

Concordia auf der Bühne Foto: Charly Rappo
Die Concordia hat sich unter der Leitung von Jean-Claude Kolly weiterentwickelt.

Unter der Leitung ihres neuen Dirigenten änderte die Concordia auch ihre Arbeitsweise. So wurden unter anderem Assistenzdirigenten ernannt, die nicht nur Teilproben durchführen, sondern an Konzerten auch grosse Werke dirigieren.

Erneuerung garantiert den Fortbestand

Jean-Claude Kolly ist mit der Bilanz zufrieden: «Musikalisch gesehen übertrifft sie meine Erwartungen.» Er hätte nie gedacht, dass er Mahlers Erste Symphonie oder die bei Oliver Waespi in Auftrag gegebene Symphonie für Blasorchester «Scorpius» aufführen würde. Es gibt also nichts zu bedauern, höchstens ein wenig Frustration, weil er im Arbeitsprozess wegen den unvermeidlichen, letztlich immer zeitraubenden Fehlzeiten manchmal Entscheidungen treffen musste.

Porträt Jean-Claude Kolly Foto: Nathalie Gobet-Vial
Jean-Claude Kolly: «Musikalisch gesehen übertrifft die Bilanz meine Erwartungen.»

Wie steht es mit der Motivation über einen so langen Zeitraum hinweg? «In meinem Beruf als Lehrer muss ich mich immer wieder in Frage stellen, um nicht in eine ungesunde Routine zu verfallen. Es war für mich daher Ehrensache, meine Arbeitsweise immer wieder der Concordia anzupassen.» Hinzu kommt, dass nur sieben Musiker die drei Jahrzehnte von Jean-Claude Kolly miterlebt haben, der im Grunde «mehrere Concordias» dirigiert hat.

Emotionaler Höhepunkt

Auch wenn keine Ermüdungserscheinungen die Beziehung trübten, spürte Jean-Claude Kolly, dass ein frischer Wind dem Ensemble guttun würde. Und was könnte besser sein, als ein Ensemble in neue Hände zu geben, das in Bestform und voll motiviert auf das Kantonale zusteuert?

So endeten dreissig Jahre gemeinsamer Leidenschaft. Mit einem Abschiedskonzert, das Jean-Claude Kolly noch lange in Erinnerung bleiben wird: «Mir scheint, die Musikantinnen und Musikanten haben alles gegeben, um in einer sehr emotionalen Atmosphäre ihr bestes Konzert zu geben.»

Drei Jahrzehnte, drei Daten

1996: Berührende Begegnung mit Jean Balissat am Eidgenössischen Musikfest. Der Komponist sagt, die Concordia habe die Botschaft seiner Symphonie perfekt wiedergegeben.

2012: Zusammenarbeit mit sieben Freiburger Chören in einer Konzertreihe. Auf dem Programm: die Messe pour l’Homme armé von Karl Jenkins.

2017: Goldmedaille am World Music Contest in Kerkrade.

Zum Interview mit Stéphane Delley

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