Liebe Leserin, lieber Leser
Meine erste Begegnung mit Blechblasinstrumenten war laut, fröhlich – und ein wenig chaotisch. Es war zur Fasnachtszeit, ich war ein Kind, und mehrere Guggenmusiken spielten sich mit vollem Körpereinsatz durch die Gassen. Kein Takt war ganz gerade, nicht jeder Ton sauber, aber die Energie war mitreissend. Seither lässt mich der Klang des Blechs nicht mehr los.
Später dann lernte ich auch die andere Seite kennen: das feine Zusammenspiel, das präzise Proben, das disziplinierte gemeinsame Streben nach klanglicher Schönheit – all das, was die Welt der Blasmusik so einzigartig macht. Dieses hohe Qualitätsbewusstsein, das sich mit Leidenschaft verbindet, beeindruckt mich bis heute.
Die Freude, mit der Blasmusikerinnen und Blasmusiker ihrem Tun nachgehen, ist ansteckend. Ihr Engagement wird mit Recht bewundert. Denn sie investieren viel in ihre Musik – nicht zuletzt eines der kostbarsten Güter überhaupt: ihre Zeit. Oder, genauer gesagt, einen bedeutenden Teil ihrer Freizeit.
Dabei sind Konzerte und Wettbewerbe wichtige, oftmals prägende Erlebnisse im Leben einer Blasmusikerin oder eines Blasmusikers. Doch es sind nicht die einzigen Höhepunkte. Mindestens ebenso bedeutsam sind die regelmässigen Proben, das konzentrierte Arbeiten mit der Dirigentin oder dem Dirigenten. Auch das oft stundenlange Üben zu Hause gehört dazu. Kurz: Es ist das gemeinsame Streben nach einem musikalischen Ziel, das zusammenschweisst – über Generationen hinweg, über soziale, sprachliche und kulturelle Grenzen.
Das Bundesamt für Kultur unterstützt diese wertvolle Arbeit. Mit gezielten Förderprogrammen trägt es dazu bei, dass die reiche Tradition der Blasmusik gepflegt und weiterentwickelt wird und für alle zugänglich bleibt. Besonders im Fokus steht dabei die Nachwuchsförderung. Mit dem Programm «Musikalische Bildung» werden Projekte wie das Nationale Jugendblasorchester und die Nationale Jugend Brass Band unterstützt. Junge Menschen erhalten so nicht nur eine fundierte musikalische Ausbildung, sondern auch prägende Erfahrungen im Zusammenspiel – im wahrsten Sinne des Wortes.
In vielen Regionen der Schweiz sind die Blasmusikvereine ein zentrales Element des kulturellen Lebens. Das ist kein Zufall. Denn sie verbinden Menschen unterschiedlichster Herkunft und schaffen Räume für Begegnung und Teilhabe. Denn Blasmusik vereint vieles, was unsere Gesellschaft braucht: Hingabe, Präzision, Offenheit – und nicht zuletzt Freude. Wer ihr zuhört, spürt schnell: Hier geht es um mehr als nur um Musik. Hier entsteht Gemeinschaft. Hörbare, gelebte Gemeinschaft. Genau das, was unsere Welt braucht. Ganz besonders in Zeiten wie diesen.
Foto: Keystone/Alessandro della Valle