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Impressionen zur Tagung Musik & Migration 2022

Podiumsdiskussion an der Fachtagung «Musik & Migration» 2022
Am 26. November 2022 fand an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) in Rorschach die Fachtagung «Musik und Migration» mit rund 100 Teilnehmenden statt. Diese wurde durch Prof. Karrer (Musik), Prof. Schmid (Musik) und Prof. Dr. Beck (Soziologie) in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur SG und dem Schweizerischen Musikrat SMR entwickelt. Ziel war die Sensibilisierung von Personen, die musikalisch mit Kindern arbeiten, für das Thema Musik und Migration. Einige Auszüge aus der Pressemitteilung der PHSG.

Die Erkenntnisse der Tagung können von Musikerinnen und Musikern bzw. Musikpädagoginnen und Musikpädagogen angewendet werden, die den Kindern und Jugendlichen die Blasmusik näherbringen. Zum Beispiel dienen sie Verantwortlichen von Bläserklassen, die an Volksschulen mit den Kindern die musikalische Praxis umsetzen, zur Weiterentwicklung ihres Unterrichts.

Den Wert von musikalischer Vielfalt schätzen

Chancengleichheit, kulturelle Vielfalt und Heterogenität sind wichtige Themen im heutigen Schulalltag. Das Organisationsteam und der Rektor PHSG, Prof. Dr. Biedermann, hielten in ihren Begrüssungsworten fest, dass Musik als kulturelles Kapital eine wichtige Rolle in der Integration, in der Förderung und Anerkennung von Diversität und Sprache sowie in der Identitätsfindung spielt.

In Referaten, Workshops und Diskussionen wurde aufgezeigt, wie wichtig es ist, anderssprachige Musik und ihre Traditionen zu verstehen. Lieder und Tänze aus aller Welt bereichern seit jeher den Musikunterricht in der Schule. Allerdings wird das musikalische Kulturgut oft unkritisch und klischeehaft angewendet. Gleichzeitig werden die Schulklassen kulturell immer vielfältiger, so dass auch Migration und Integration den Stoff im Musikunterricht beeinflussen.

Prof. Dr. Wickström hält ein Referat an der Fachtagung «Musik & Migration»
«Musik hilft, andere Kulturen kennenzulernen, und fördert den Respekt», so Prof. Dr. Wickström.

Musik muss erlernt werden

Über die «Musik und ihre Rollen» sprach Prof. Dr. Wickström. «Musik hat auch die Funktion, andere Kulturen kennenzulernen und Verständnis für Differenz und Vielseitigkeit zu schaffen, um so Respekt und Toleranz in der Bevölkerung zu fördern.» Dies aber geschehe heute noch viel zu wenig. Um ein Gefühl von Zugehörigkeit zu kreieren, könne Musik nur dann als Kommunikationsbrücke dienen, wenn sie nicht nur aus einer christlich-europäisch-hegemonialen Perspektive komme.

«Es müssen die Musiken und Religionen aller Kinder in einer Klasse berücksichtigt werden. Musik muss erlernt werden», sagte er. «Wichtig dabei ist, die Musiktraditionen in den verschiedenen Ländern zu verstehen und nachzuvollziehen.» Hierfür sollte unter anderem das Material auf Diskriminierung geprüft und auf den Kontext geachtet werden.

Liedgut entrümpeln

Wie musikalisches Kulturgut in der Schule zeitgemäss angewendet werden kann, zeigten Workshopleitende in vier Settings, die auf ihrer kulturellen Herkunft und auf Lebensrealitäten basierten. Die Wertschätzung des Liedguts thematisierten Dozentin Tangermann und Dr. Detterbeck. Die aktuelle Debatte über Authentizität, Identität und «Cultural Appropriation» konfrontiert die Musikpädagoginnen und Musikpädagogen mit der Forderung nach einem sorgfältigen Umgang mit dem Liedgut aus aller Welt.

Dazu gehöre eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Lied, das im Unterricht verwendet wird. Die Aufgabe wäre, die Herkunft und Bedeutung möglichst genau zu recherchieren sowie die bestmögliche Übersetzung eines fremdsprachigen Liedes zu finden. Eine Entrümpelung der Liedmaterialien im Hinblick auf folkloristische Stereotypen, Klischees sowie rassistische und diskriminierende Inhalte sei unabdingbar.

Zu den eigenen musikalischen Wurzeln stehen

Prof. Dr. Beck leitete die Diskussion über Erfahrungen und Kenntnisse, die durch den Tag erworben wurden. An der Gesprächsrunde nahmen Referierende, Workshopleitende, Lehrpersonen aus der Praxis, Musikdozierende und Studierende teil. Sie waren sich einig, dass es vor 20 Jahren kaum möglich gewesen wäre, über dieses Thema eine Fachtagung Musik durchzuführen. Heute machen Offenheit und Kritikfähigkeit einen suchenden Dialog möglich.

Es wurde festgehalten, dass es essenziell wäre, als Lehrperson zu den eigenen musikalischen Wurzeln zu stehen, um authentisch in musikalische Beziehung zu den Kindern zu treten. Die Gefahr möglicher Diskriminierungen, Verletzungen und Exklusionen, bezogen auf das Singen und Musizieren mit den Kindern, sei nicht zu bagatellisieren. Es wäre die Aufgabe der erwachsenen Bezugspersonen, wach zu bleiben, hinzuschauen und gleichzeitig im Unterricht die Freude und Spontaneität zu bewahren, ohne dabei Hemmungen aufzubauen.

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