Anfang November hat der St. Galler Blasmusikverband zum letzten Konzert der Jubiläumsreihe ins «Verrucano» in Mels geladen. Die drei kantonalen Projektorchester setzten wortwörtlich mit Pauken und Trompeten zum musikalischen Finale des 100-Jahr-Verbandsjubiläums an.
Es war, als hätten die drei Projektorchester während des gesamten Jubiläumsjahres des St. Galler Blasmusikverbands (SGBV) auf diesen einen Moment hingearbeitet – jenen Moment nämlich, in dem die Mitglieder des Jugendprojekts U18, des Herbstprojekts 30Plus sowie der Projektformation Blasorchester SGBV gemeinsam auf der Bühne des Löwensaals im Melser «Verrucano» standen.
In einem beeindruckenden Tutti präsentierten die rund 150 Musikantinnen und Musikanten die Jubiläumskomposition «Harmonie der Blasmusik» aus der Feder von Christoph Walter sowie den eigens für das 100-jährige Bestehen des SGBV neu arrangierten «St. Galler Marsch». Und die Darbietung verfehlte ihre Wirkung nicht. Spätestens in diesem letzten Moment des Abschlusskonzerts verstanden alle Zuhörerinnen und Zuhörer: Ja, genau so war es gemeint.
Jung und junggeblieben
Das Konzert besiegelte in chronologischer Reihenfolge eine ganze Reihe von Aufführungen und Veranstaltungen, die im vergangenen Verbandsjahr durchgeführt wurden. Den Anfang des Konzertabends machte die Jugendformation U18, deren Lagertage immer im Frühling durchgeführt werden, mit einem Einzelvortrag.
Foto: Michael KohlerUnter der musikalischen Leitung von Andreas Signer, seines Zeichens Mitglied der Musikkommission des SGBV, präsentierte die Jugendformation die Höhepunkte ihres Lagerkonzerts von vergangenem April. In ihrem Repertoire fanden sich Märsche wie «Transalpinia» von Martin Koffler ebenso wie Filmmusikwerke wie «How to train your dragon» oder moderne Literatur wie «Itterbug!» vom amerikanischen Komponisten und Arrangeur Robert Buckley.
Foto: Michael KohlerAbgelöst wurden die «Jungen» von den «etwas Älteren», wie Moderator Lukas Triblhorn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 30Plus humorvoll umschrieb. Die rund 65 Musikantinnen und Musikanten wechselten unter der Leitung von Markus Egger die Stilrichtung abrupt und präsentierten die Heublumen-Polka, gefolgt von Johan de Mejis Interpretation der Tolkien-Bücher «The Lord of the Rings».
Foto: Michael KohlerEs folgte Höhepunkt um Höhepunkt ihres Konzerts von Ende September. Dass die Teilnehmenden des rüstigsten aller drei Projektorchester nicht etwa eingerostet waren, bewiesen sie mit einem Crossover mit dem Titel «Bohemian Tequila», das die Blasmusikhymne schlechthin, den «Böhmischen Traum», in die Neuzeit führt.
Beeindruckte Gäste
Das Trio komplett gemacht hat das Blasorchester SGBV, die ambitionierteste der drei Formationen. Sein hohes Niveau demonstrierte es unter der Leitung von Roland Stillhard mit dem Hauptwerk der diesjährigen Durchführung im Oktober, «Traversada» von Oliver Waespi. Nebst einem Paso Doble und moderner Literatur durfte ein von Toshio Mashima erfrischend arrangiertes «Happy Birthday» zum Geburtstag des Verbands nicht fehlen – Gesang aus dem Publikum inklusive.
Bevor schliesslich alle drei Formationen gemeinsam zum oben erwähnten Schlussbouquet ansetzten, nutzte SGBV-Verbandspräsident Roland Kohler die Möglichkeit, um ein kurzes Podium mit zwei eingeladenen Gästen abzuhalten: Einerseits mit Ständerätin Esther Friedli, die während des Jubiläumsjahrs als Gotti des SGBV amtete, und andererseits mit Laura Bucher, Regierungsrätin und Kulturministerin des Kantons St. Gallen.
Foto: Michael KohlerBeide zeigten sich begeistert – nicht nur vom hochstehenden Abschlusskonzert, sondern allgemein von der Dynamik und dem Enthusiasmus des SGBV im gesamten Jubiläumsjahr, die am Kantonalen Musikfest im Juni in Mels ebenso zum Ausdruck kamen wie am Weltrekord der Blasmusik von Ende August. Kohler nutzte die Gelegenheit, um beide Gäste mit Partituren der Jubiläumskompositionen zu beschenken. Friedli erhielt die «Harmonie der Blasmusik», Bucher den «St. Galler Marsch».
Im Beisein weiterer politischer Hochkaräter wie Ständerat Beni Würth oder Nationalrat Walter Gartmann fieberten die beiden dem grossen Augenblick entgegen, in dem alle 150 Musikantinnen und Musikanten von Jung bis Alt, vom Sarganserland bis St. Gallen und ins Fürstenland, ein letztes Mal auf der Bühne Platz nahmen und die beiden Abschlusswerke präsentierten. Und auch in ihren Gesichtern war die Zustimmung deutlich zu lesen: Ja, genau so war es gemeint.
Foto: Michael Kohler