Viele junge Musikerinnen und Musiker träumen von der Solistenkarriere, vom Orchestergraben und dem Hobby als Beruf. Die Verwirklichung dieses Traums setzt ein Musikstudium voraus. Flötist Luca Marsiglia aus Capolago (TI) und Posaunist Joël Meier aus Kestenholz (SO) erzählen ihrem Rekrutenschulkollegen Julian Fankhauser, wie sie sich auf die Aufnahmeprüfung für dieses Studium vorbereitet haben.
Luca und Joël, stellt euch der Leserschaft kurz vor.
Luca Marsiglia (LM): Ciao, ich bin Luca, komme aus Lugano und spiele Querflöte. Im September beginne ich den Bachelor of Arts in Music am Conservatorio della Svizzera Italiana. Seit ich sieben Jahre alt bin, spiele ich Querflöte und möchte schon lange Musik studieren.
Joël Meier (JM): Hoi, ich heisse Joël, bin 21 Jahre alt, spiele Posaune und beginne Ende August 2025 das PreCollege Programm an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).
Was sind für euch Keywords – Disziplin, Motivation, Talent –, wenn es um die Vorbereitung für die Aufnahmeprüfungen geht?
LM: Für mich ist Hingabe wohl das Wichtigste, denn ohne sie fehlt der Antrieb. Sie schafft Disziplin, Motivation und Musik aus tiefstem Herzen.
JM: Disziplin ist unabdingbar, wenn es auf die Aufnahmeprüfung zugeht. Durch diese übt man regelmässig, fokussiert und effizient. Auch helfen klare Strukturen und feste Routinen. Zudem ist eine Lehrperson sehr hilfreich, da diese «kontrollieren» und «pushen» kann.
Manchmal hängt einem das Instrument/die Literatur «zum Hals heraus». Was ist eure Strategie, um ein solches Tief zu überwinden?
LM: Ich höre zum Beispiel neue Musik; Jazz, Rock – alles ausser Flötenmusik.
JM: Ich versuche mich mit anderen Aktivitäten wie Sport abzulenken. Frische Luft und Bewegung helfen, mir den Kopf zu lüften.
Foto: zVgWie viel sollte man pro Tag mindestens üben?
LM: Diese Frage kann ich schwer beantworten, denn für jeden und jede passt es ein bisschen anders. Ich übe zwischen 20 Minuten und fünf Stunden pro Tag. Wenn mein Körper erschöpft ist, höre ich auf.
Was ist für euch effizientes Üben?
LM: Zuerst fokussiere ich mich auf den Klang, will heissen; nur mit dem Flötenkopf, dann Töne aushalten. Meine Einspielübungen gestalte ich so musikalisch wie möglich, das Repertoire kommt am Schluss.
JM: Ich reflektiere am Ende jeder «Übungssession» über mein Spielen und was ich Morgen besser machen kann. Natürlich gehören auch «trockene» Literatur wie Etüden oder Tonleitern dazu.
Wie entscheidet man sich für eine Hochschule? Auf welche Faktoren hast du geachtet?
LM: Die Lehrperson ist sehr wichtig, es sollte sowohl pädagogisch als auch menschlich stimmen, schliesslich arbeitet man sehr eng zusammen. Ich möchte regelmässigen Unterricht, so kann ich am besten Fortschritte erzielen. Natürlich spielen auch Faktoren wie Organisation, Infrastruktur (genügend Übezimmer, ÖV-Anschlüsse) und Angebote (Freifächer, Kurse) der Hochschule eine Rolle.
Wie läuft die Aufnahmeprüfung ab?
JM: Ich bin ruhig in den Tag gestartet und habe mich zuhause eingespielt. Nachdem ich mich beim Empfang gemeldet hatte, konnte ich in einem Zimmer einspielen, danach gings zur Prüfungskommission. Ab hier ging es schnell: Ich stellte mich kurz vor, trug mein Programm vor und am Schluss gab es ein kurzes Gespräch mit den Prüfungsexpertinnen/-experten, damit sie mich kennenlernen konnten.
Foto: zVgWas war deine Taktik gegen Nervosität?
LM: Vor der Prüfung esse und trinke ich genug, bin pünktlich und spiele mich gut ein. Wichtig ist aber: keine Prüfungsliteratur zu spielen, sondern nur lange Töne und Atemübungen zu machen.
Wie hat euch euer Umfeld unterstützt?
LM: Alle haben mir geholfen, indem sie nichts Besonderes gemacht haben. Meine Lehrer waren immer verfügbar und meine Freunde und Familie fieberten mit, das war ideal.
JM: Ich konnte sowohl während meiner Vorbereitung als auch am Tag der Aufnahmeprüfung auf mein Umfeld zählen. Positiver Zuspruch habt mich stets motiviert und vor allem meine Eltern sind in schwierigen Situationen hinter mir gestanden.
In der Musikerwelt sind Connections das A und O. Inwiefern habt ihr diese genutzt?
LM: Ich habe an Masterclasses teilgenommen und so die Dozenten kennengelernt. Dozierende bevorzugen meistens Musizierende, die sie schon kennen bzw. getroffen haben [sagt er augenzwinkernd]. Kontakte sind hilfreich, aber nicht jeder hat die Möglichkeit, welche zu knüpfen.
JM: Durch meinen Lehrer hatte ich schon früh Kontakt zum Posaunendozenten an der ZHdK und konnte einige Unterrichtsstunden bei ihm nehmen. So bekam ich direktes Feedback und gezielt Übungen für die Aufnahmeprüfungen, die mir sehr geholfen haben.
Foto: Yvonne Bollhalder
Foto: Yvonne BollhalderIn der Rekrutenschule (RS) ist man ständig am Spielen, sei es individuell, in Gesamtproben oder an Auftritten. Wie hast du das erlebt?
JM: Ich empfand es als streng und es fiel mir schwer, immer 100 Prozent konzentriert zu sein. Trotzdem hat es mir einiges gebracht. Einerseits konnte ich Studenten kennenlernen – solche, die es bereits sind, wie auch zukünftige – und mich mit ihnen über Hochschulen, Ziele, Tipps und Tricks austauschen. Andererseits konnte ich mir durch das viele Üben und Spielen ein Bild vom Studium machen, für das erwartet wird, regelmässig und viel zu üben.
Weitere Inputs zum Musikstudium
Oftmals kommt mit dem Wunsch nach dem Musikstudium die Frage auf, zu welcher beruflichen Entwicklung eine solche Ausbildung führen kann. Wege, die sich einem nach dem Masterstudium eröffnen:
- Ein grosser Zweig ist die Pädagogik. Als Lehrer/-in an einer Musikschule, an einem Gymnasium, an Konservatorien oder in Workshops kann man sein gesammeltes Wissen weitergeben.
- Wie hat man früher Musik gemacht? Welchen Einfluss hat Musik auf unsere Psyche? Musikwissenschaftler, -Psychologen, -Soziologen etc. sind neugierig und forschen nach.
- Journalisten besuchen Konzerte und berichten darüber, wie auch über Versammlungen, News und Entwicklungen.
- Ob solistisch, in Ensembles oder voll ausgebauten Orchestern – man kann die Welt und ihre verschiedenen Konzertsäle bereisen und mit schönen Klängen und hoher Virtuosität verzaubern.
- Wenn alles schon gespielt wurde, braucht es neue Musik. Komponistinnen und Komponisten erschaffen neue Melodien, Stimmungen und Geschichten.
- Musik + Technik = SoundArts. Ob Verkabeln, Mischen oder Auflegen – elektronische Musik bietet eine grosse Bandbreite an Aufgaben.