SGBV: Ein Jahr des Aufbruchs und der Weichenstellungen

Blick auf die DV des St. Galler Blasmusikverbands
Ein Fahnenmeer zum Auftakt: Einzug der Fahnen an der Delegiertenversammlung des SGBV.

Beitragsbild: Michael Kohler

Für den St. Galler Blasmusikverband endet ein ereignisreiches, teils turbulentes Verbandsjahr. An seiner Delegiertenversammlung am 8. November 2025 in Sargans hat der Verbandsvorstand zurückgeblickt – und seinen Fokus auf die Jugend und die Kommunikation gerichtet.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Haben im Jubiläumsjahr 2024 noch zehn Vorstandsmitglieder des St. Galler Blasmusikverbands (SGBV) die Delegierten aller Musikvereine im Kantonsgebiet zur DV in Mels begrüssen dürfen, so nahmen am vergangenen Samstag nur deren neun den Vorsitz der Delegiertenversammlung ein. Der Grund ist ein tragischer: Am 15. September ist Vorstandsmitglied Werner Lusti, Kreispräsident Toggenburg, unerwartet verstorben. Ihm zum Gedenken startete die DV mit einer Schweigeminute, bevor Verbandspräsident Roland Kohler zur Behandlung der ordentlichen Traktanden überleitete.

Quo vadis, SGBV?

111 der insgesamt 116 St. Galler Musikvereine waren in Sargans mit 331 stimmberechtigten Delegierten vertreten. Sie alle wurden vom Sarganser Gemeindepräsidenten Stefan Kohler mit einigen Grussworten in der Heimatgemeinde der gastgebenden Musikgesellschaft Sargans willkommen geheissen. Im Anschluss an den Jahresbericht des Verbandspräsidenten zogen die Ressortverantwortlichen in ihren Jahresrückblicken Bilanz.

Sie ist in mehrerlei Hinsicht durchzogen. Fabian Wirth verwies namens der Musikkommission ebenso auf ein SGBV-Forum mit dem Titel «Tempi passati. Quo vadis?» wie Patrick Bichler, Leiter des Ressorts Jugend. Es hat im August stattgefunden und ist aus dem Wunsch von Musikkommission und Verbandsvorstand erwachsen, eine Bedarfserhebung durchzuführen und bestehende Angebote und Dienstleistungen verbandsübergreifend zu überdenken und zu optimieren.

Die Dreifachturnhalle an der DV ist voll besetzt mit Delegierten und Gästen Foto: Michael Kohler
Grosser Andrang: 331 Delegierte aus dem gesamten Kantonsgebiet nehmen an der DV des St. Galler Blasmusikverbandes teil.

SGBV-Forum und «Speed Dating»

Fast 100 Teilnehmende hatten über Themen wie Vereinsorganisation, Jugendförderung, Veteranenwesen, Kommunikation, musikalische Angebote und Ausbildungen sowie Verbandsstruktur und -organisation diskutiert. «Es wurden Bedürfnisse aufgenommen, Rückfragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht», führte Wirth aus.

Parallel dazu führten die Verantwortlichen des Ressorts Jugend ein musikalisches «Speed Dating» unter dem Titel «Allegro con fuoco» durch, bei dem sich laut Bichler 60 Teilnehmende intensiv zu zentralen Fragen der Nachwuchsförderung austauschten, wie zum Beispiel zur Gewinnung neuer Mitglieder und zur Bedeutung der Elternarbeit.

Mit Fokus auf die Jugend und Kommunikation

An der einen wie an der anderen Veranstaltung wurden Schlüsse gezogen und daraus schliesslich Strategien abgeleitet. So soll sich die Verbandsleitung künftig besonders auf die Themen Jugend und Kommunikation konzentrieren.

Dass vor allem im Ressort Jugend weiterhin personelle Engpässe bestehen, erschwert dieses Vorhaben aber zunehmend. Mit dem Fürstenland, dem Neckertal und St. Gallen ist die Leitung des Ressorts Jugend gleich in drei Kreisen im Kanton vakant. Ausserdem musste sich die Verbandsleitung am Samstag nach über 15-jähriger Tätigkeit von Roland Wohlwend verabschieden, dem Ressortleiter Jugend im Kreis Sarganserland-Werdenberg.

Auch personell wird umstrukturiert

Ebenfalls von seinem Amt zurückgetreten ist GPK-Mitglied René Cahenzli. Er wurde nicht nur von Vorstandsmitglied Verena Federli gebührend verabschiedet, auch stimmten die Delegierten einem Antrag zu, den Demissionierenden für seine Dienste zum Ehrenmitglied des SGBV zu ernennen. Cahenzlis Nachfolge wird Goar Hutter antreten – er wurde einstimmig gewählt.

Roland Kohler und Patrick Bichler mit Urkunde Foto: Michael Kohler
Für ihr USA-Projekt geehrt: Patrick Bichler (rechts) nimmt namens der «Rhine Talents» den Innovationspreis entgegen.

Für eine weitere Amtszeit von zwei Jahren stellte sich der Verbandspräsident zur Wahl. Es soll seine letzte sein, wie er ausführte. «Es ist mir ein grosses Anliegen, den Verband gut aufgestellt weiterzugeben.» Kohler wurde einstimmig wiedergewählt, genauso wie seine Vorstandskolleginnen und -kollegen. Neu wird auch Patrick Bichler im Vorstand Einsitz nehmen. Auch er wurde diskussionslos und einstimmig gewählt.

Finanzielle Grundlage vorhanden

Der Verband verfügt über die nötigen Finanzmittel, um die geplanten Veränderungen anzugehen. Das Verbandsjahr endet mit einem kleinen Ertragsüberschuss von rund 3500 Franken. Erwähnenswert ist dabei die finanzielle Zuwendung des St. Galler Amts für Kultur, die 2025 um 20’000 Franken höher ausgefallen ist.

Laut Roland Vetsch, Ressortleiter Finanzen, hätten mit dem Beitrag von 80’000 Franken «einschneidende Mindereinnahmen beim Sponsoring ausgeglichen sowie Rückstellungen für die dringende technische ‹Sanierung› unserer IT-Infrastruktur gebildet werden können».

Erste Erhöhung des Mitgliederbeitrags seit 20 Jahren

Dass der Mitgliederbeitrag des Verbands dennoch von 7.50 auf 9 Franken erhöht werden soll, hat andere Gründe. Nicht zuletzt wurden auch die Beiträge an den Schweizer Blasmusikverband (SBV) pro Musikantin und Musikant erhöht. Auf kantonaler Ebene ist es die erste Erhöhung des Beitrags seit rund 20 Jahren.

Rechnung und Beitragserhöhung wurden von der Versammlung ebenso grossmehrheitlich angenommen wie das Budget, das für das kommende Jahr einen kleinen Ertrag von rund 1500 Franken vorsieht.

Roland Kohler und ein Mitglied der Musig Eggersriet mit Urkunde Foto: Michael Kohler
Für die Kreation ihres «Musigwegs»: Der Innovationspreis geht an die Musig Eggersriet.

Zuspruch von der Regierung und dem Dachverband

Eingebettet zwischen die Traktanden richteten mehrere Amtsträger dem SGBV ihre Grussworte aus. Der St. Galler Regierungspräsident Beat Tinner betonte etwa, dass die St. Galler Musikantinnen und Musikanten mit ihrer Musik das gesellschaftliche Leben auf unvergleichliche Weise bereichern würden. «Sie alle schenken unserer Gesellschaft Klang, Emotion und Zusammenhalt.»

In dasselbe Loblied stimmte auch Hans Seeberger mit ein. Der SBV-Vizepräsident ging auf die Ereignisse im vergangenen Verbandsjahr ein und schlug eine Brücke zur Musik, die – je nach Bedarf – Unterstützung und Trost spenden könne. «Alle von uns haben schon ähnliche Situationen im eigenen Umfeld erlebt, die belegen: Blasmusik tut gut.»

Preise, Ehrungen und grosse Dankbarkeit

Ein weiteres Mal überreichte der Verband einen mit 250 Franken dotierten Innovationspreis – und dies gleich zweimal. Ausgezeichnet wurde zum einen «Rhine Talents», ein Projekt, das im Sommer einer grossen Zahl jugendlicher Musikantinnen und Musikanten ermöglichte, nach Übersee zu reisen und auf Konzerttournee zu gehen, und zum andern die Musig Eggersriet, die im Rahmen ihres 150-jährigen Bestehens einen Musikweg eröffnet hat.

Roland Kohler und Christine Schmidheiny mit Ehrenurkunde Foto: Michael Kohler
20 Jahre Vereinspräsidentin: Christine Schmidheiny sitzt dem Musikverein Balgach schon zwei Dekaden vor.

Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden das Vorstandsmitglied Michael Brunner, Kreis Fürstenland, für seine Tätigkeit in der Verbandsleitung während elf Jahren, und Michael Kohler für seine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit während zehn Jahren. Geehrt wurde zudem auch Christine Schmidheiny, die seit 20 Jahren den Musikverein Balgach präsidiert.

Auch die Josef-Strässle-Steigacker-Stiftung durfte erneut eine Preisverleihung durchführen: Sie zeichnete Xaver Thoma für seine jahrelange ehrenamtliche Arbeit für die Jugend und die Blasmusik aus. In einer kurzen Dankesrede richtete sich dieser direkt an alle Delegierten: «Die Jungen sind da und sie sind leistungsbereit. Und jeder Verein hat so viele Jugendverantwortliche, wie er Mitglieder hat. Vermittelt die Werte, die uns allen doch so wichtig sind.»

Markus Müller und Xaver Thoma mit Urkunde Foto: Michael Kohler
Preisträger der Josef-Strässle-Steigacker-Stiftung: Xaver Thoma (r.) wird von Stiftungspräsident Markus Müller ausgezeichnet.

87 neue Veteraninnen und Veteranen

Und schliesslich wurde der Nachmittag genutzt, um nicht weniger als 87 Personen für 70, 65, 60, 50 oder 35 Jahre Aktivmitgliedschaft zu ehren und sie zu eidgenössischen und kantonalen Ehrenveteranen oder kantonalen Ehrenjubilaren, CISM-Veteranen, kantonalen Jubilaren und eidgenössischen Veteranen zu ernennen.

Im PDF sind alle 87 Jubilarinnen und Jubilare nach Dienstjahren aufgeführt:

Gruppenbilder der geehrten Veteraninnen und Veteranen nach Kreisen

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