The Power of Music

Céline Pellmont beim Dirigieren
Céline Pellmont sagt: «Am Anfang des Dirigierens steht die Technik.»

Beitragsbild: zVg

Die schweizerisch-französische Dirigentin Céline Pellmont ist international unterwegs, neugierig und gut vernetzt.

Céline Pellmont ist viel unterwegs, ob als Dirigentin, Instrumentalistin, Musiklehrperson für Querflöte und Waldhorn oder als Gastdozentin fürs Dirigieren. Was sie als Dirigentin besonders fasziniert, ist der lange Prozess der Kreation eines Kunststücks, um das Publikum zu berühren. Denn Musik sei Gefühl. Ohne Emotionen würden wir keine Musik erleben.

Gefühle im Dirigat rüberbringen

Im Dirigierunterricht vermittelt sie den Studierenden ihre grosse Leidenschaft für die Musik. Es brauche viel Inspiration für eine Komposition, und als Dirigentin soll man das Orchester mit viel Energie leiten.

Am Anfang stehe jedoch die Technik: «Junge Dirigenten müssen das Handwerk lernen und sich dann kontinuierlich weiterbilden. Das ist viel Arbeit für alle Künstlerinnen und Künstler.»

Den Fokus von der Technik lösen und die Musik als Inspiration für eine Geschichte zu nehmen, sei entscheidend. Was möchte die Musik erzählen? Beim Dirigieren in Farben und Gefühlen denken. Denn jeder Mensch habe Gefühle und könne diese beim Dirigieren zeigen.

Die Frage sei auch immer, was man im jeweiligen Moment erreichen möchte. Wohin geht z. B. der Spannungsbogen? Was passiert, wenn eine Pause eintritt? Denn ohne Pause gibt es keine Musik.

Céline Pellmont als Dirigentin vor einem Orchester an einem Konzert Foto: zVg
Der Prozess der Kreation eines Kunststücks, um das Publikum damit zu berühren, fasziniert Céline Pellmont besonders.

Die Musik ist immer im Vordergrund

Als Dirigentin solle man authentisch und mit Energie führen, gestisch oder mimisch Emotionen zeigen, im Austausch sein mit dem Orchester und mit der eigenen Präsenz die Musizierenden leiten. Bereits bei der Vorbereitung macht sich Céline Pellmont Gedanken, wie sie die Schlüsselstellen angehen und Probleme lösen möchte.

Ideen aus dem Orchester nimmt sie immer gerne auf, weil sie überzeugt ist, dass man voneinander lernen kann. Faszinierend findet sie immer wieder, welchen Einfluss bereits ihre Präsenz auf das Orchester und die Musik hat. Das Wichtigste für sie ist jedoch immer die Musik.

Zusammenarbeit mit Komponisten als Inspiration

Bewusst wählt Céline Pellmont gute Werke aus. Ihre Kriterien sind gute Instrumentation, verschiedene Klangfarben und abwechslungsreiche Kombinationen von Instrumenten von solistisch bis reich besetzt. Besonders am Herzen liegen ihr Werke lokaler Komponisten, aber auch Kompositionen von jungen Künstlern.

Der Austausch mit Komponisten ist ihr sehr wichtig. Sie lädt diese immer wieder zu einer Probe ein, damit sie den Orchestern die Idee ihrer Komposition erklären können.

Begegnungen mit Komponisten

Ein besonderes Projekt war ein Stück, das sie für ihren Verein bei Hardy Mertens in Auftrag geben konnte. Dabei lernte sie nicht nur ihn als Komponisten kennen, sondern auch seine Familie.

Frank Ticheli hat sie ebenfalls besucht, als sie für ein Konzert in den USA war. «Es ist immer toll, wenn ich meinen Musikvereinen von den Begegnungen mit den Komponisten erzählen kann. So sehen sie, dass hinter der Musik ein Mensch steht.»

Lieblingswerke

Ein absolutes Lieblingswerk hat Céline Pellmont nicht. Sie ist offen und neugierig für Neues aus aller Welt. Die Tonsprache des Komponisten Thiemo Kraas gefällt ihr sehr gut.

Aber auch die Werke von Percy Grainger: «Das ist eine andere Welt. Und manchmal schwierig zu verstehen, besonders für jüngere Musiker.» Bei John Mackey’s «The Frozen Cathedral» sei so viel drin, dass es eine grosse Inspiration für die Musikanten sei.

Energie für so viel

Auf die Frage, woher sie die Energie für ihren Alltag nehme, antwortet sie: «Die Energie nehme ich aus meiner Leidenschaft für die Musik. Ich habe ‹The Power of Music› für mich entdeckt und möchte diese mit anderen teilen.»

Sie sei eine sehr feinfühlige Person. Dies helfe ihr auch, ihre Gefühle zu teilen. Zudem sei sie eine Nachteule und brauche wenig Schlaf: «Zum Glück proben wir am Abend!»

Porträt von Céline Pellmont Foto: zVg
«Auch als Mutter hat man einen Platz in der Musikwelt», weiss Céline Pellmont aus eigener Erfahrung.

Dirigentin und Mutter sein ist möglich

Frauen, die dirigieren und Mutter sind: Da fehlen die Vorbilder. Trotzdem wollte Céline Pellmont ihrem Traum vom Dirigieren folgen: «Es geht alles, aber einfach ein bisschen anders!» Sie liebt Herausforderungen, daher hat sie nie aufgehört, Musik zu machen.

Natürlich gebe es verschiedene Phasen. Gerade wenn die Kinder noch sehr klein seien, müsse man mehr zuhause bleiben und auf Tourneen oder längere Reisen verzichten. Aber auch als Mutter habe man einen Platz in der Musikwelt. Sie habe immer auch grosse Projekte realisiert.

Das Muttersein brachte Neues in ihr Leben

Es brauche Energie, der Alltag müsse gut organisiert sein und man müsse Prioritäten setzen. Doch die Familie habe Verständnis und sei auch stolz, dass die Mutter durch ihre Arbeit erfüllt ist.

Jungen Dirigentinnen rät sie: «Mutig sein! Nicht aufgeben. Und es ist spannend, dies mit den Kindern zu teilen.» Mit ihren Kindern macht sie regelmässig Musik: «Wir sind wie ein kleines Orchester.»

«Durch das Muttersein bin ich in der inneren, emotionalen Welt einen grossen Schritt vorangekommen.» Was ein Kind gibt, bekommt die Mutter: «Mein Herz ist ganz gefüllt.» Die Familie sei eine Ergänzung, kein Widerspruch.

Internationale Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Obwohl jedes Orchester anders ist und seine eigene Identität hat, sind für Céline Pellmont kulturelle Unterschiede im Klang, aber auch im Willen spürbar. In Deutschland sei der Klang sehr blechorientiert und kraftvoll: «Dies war für mich eine Herausforderung.» Denn in Frankreich klinge es filigraner. Man spiele lockerer und mache einfach Musik.

In der Schweiz schätzt sie die Musikfeste, welche die Qualität deutlich anheben – dies auch dank der vielen gut ausgebildeten Dirigentinnen und Dirigenten.

Am Ende ist Musik eine universelle Sprache, stellt sie fest: Es bestünden zwar lokale Unterschiede in der Literaturwahl, aber der Prozess, ein Kunststück zu erschaffen, Gefühle aufzubauen und damit Menschen und Herzen zu erreichen, sei überall gleich.

Über die Grenzen hinaus

Ein grosses Anliegen ist Céline Pellmont auch der Austausch zwischen den Ländern. So organisiert sie Projekte über Grenzen hinweg. Auch wenn die Sprache anders sei, ermögliche dies viel Austausch und Verständnis für die Musik als Kunstform.

Soeben stehe ein Cross-Border-Doppelkonzert an: Ihr deutscher Verein ist zu einem französischen Festival eingeladen worden.

Was können CH-Orchester von F und D lernen?

Ein bisschen entspannter sein und ein bisschen Laissez-faire einfliessen lassen. An einem Biergartenkonzert mal in einer ungezwungenen Atmosphäre spielen. Da spiele man Musik, auch wenn das Publikum nicht nur still zuhört.

Ihren Orchestern sage sie immer wieder, wie wichtig ein Ständli sei. Gerade Unterhaltungsmusik werde unterschätzt.

Innovative Projekte sind wichtig

Für die Dirigentin ist es wichtig, immer wieder innovative Projekte anzupacken. So hat sie erst kürzlich den Solotubisten Andreas Hofmeir eingeladen. Es war eine Überraschung vom Klang her: «Auch ich habe das Instrument neu kennengelernt.» Zudem war es ein tolles Erlebnis, auch fürs Publikum. Crossover-Projekte mit Künstlern, die über die Region hinaus bekannt sind, öffnen den Horizont.

Das gemeinsame Musizieren von Profis und Amateuren empfindet Céline Pellmont immer als ein klangliches Erlebnis, und es sei stets eine gute Gelegenheit, dadurch den Klang des Orchesters zu verbessern: Die Musikantinnen und Musikanten zu inspirieren, damit sie sich nach oben orientieren, sei immer ihr Ziel.

Kerkrade

«Kerkrade ist die Championship der Blasmusikwelt und somit eine grosse Bereicherung. Eine super Möglichkeit, die besten Orchester der Welt zu hören. Es zeigt den Musikanten und Dirigentinnen auf, was möglich ist, und erweitert den musikalischen Horizont. Zudem ermöglicht es den Austausch und die Erweiterung des Netzwerks».

Den Dirigierwettbewerb am WMC findet sie ebenfalls sehr wertvoll. Leider war sie noch nie dort. Vielleicht wird sie an der Studienreise des BDV nach Kerkrade teilnehmen …

Persönliches

  • Studium: Dirigieren in Versailles und Basel
  • Alter: 48 Jahre
  • Vereine: Musikverein Gelterkinden (BL), Musikverein Fahrnau (Deutschland)
  • Instrumente: Querflöte, Piccolo
  • Aktuelle Projekte: Teilnahme am Internationalen Osterfestival von Colmar und am EMF Biel
  • Lieblingswerk: Variazioni sinfoniche su «Non potho reposare» von Hardy Mertens
  • Motto: «Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum» (F. Nietzsche) und «Carpe diem»

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