Trachsels dritte Symphonie zum Gedenken

Andreas Simbeni beim Dirigieren an einem Konzert
Andreas Simbeni hat sich für das Gedenkkonzert u. a. die dritte Symphonie von Thomas Trachsel ausgesucht.

Beitragsbild: Ina Holzknecht

Die Akademische Bläserphilharmonie Wien spielt am 27. Januar 2025 ein Gedenkkonzert zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Ihr Dirigent Andreas Simbeni hat für das Konzert im goldenen Saal des Wiener Musikvereins u.a. die Symphony No. 3 des-moll «Die Apokalyptische» des Schweizer Komponisten Thomas Trachsel gewählt. Warum Andreas Simbeni sich für dieses Werk entschieden hat und wer sonst noch mitwirkt, verrät er im Interview.

Andreas Simbeni, warum veranstalten Sie ein Gedenkkonzert zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz?

Ausschlaggebend war das Werk von Marco Pütz «…dann wachsen Flügel deinen Worten», in dem er vier Bilder eines weissrussischen Malers vertonte, der bei der Befreiung von Ausschwitz dabei war. Mir war es ein Anliegen, die Gesellschaft und vor allem die Jugend zu sensibilisieren, was in der heutigen Zeit immer schwieriger wird.

Ist es das erste derartige Konzert für die Akademische Bläserphilharmonie Wien?

Wir geben regelmässig grosse Konzerte, auch immer wieder im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Zu dieser Thematik ist es jedoch das erste Konzerte in dieser Form!

Herr Simbeni, erzählen Sie den Leserinnen und Lesern etwas von sich.

Ich studierte Horn, Instrumentalpädagogik, Ensembleleitung, Blasorchesterleitung, Instrumentation und Komposition in Graz, Wien, Linz und Bozen. Seit 2004 unterrichte ich Ensembleleitung Blasorchester am Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk, seit 2012 bin ich Dirigent der Akademischen Bläserphilharmonie Wien und seit 2023 des Symphonischen Jugendblasorchesters Wien. Gleichzeitig komponiere und arrangiere ich Werke für Blasorchester, Jugendblasorchester und verschiedene Ensemblebesetzungen.

Dirigent Andreas Simbeni in Action Foto: Ina Holzknecht
Andreas Simbeni: «Dirigieren ist für mich die Inspiration von Menschen, ihre Musik mit Leben zu füllen und den Mut zu haben, sich dem Augenblick des Klangs bedingungslos hinzugeben.»

Was verbinden Sie persönlich mit der Thematik des Konzerts?

Meine Lebenseinstellung, dass man mit Menschen gut umgehen muss, und dass dieses wohl dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte nicht vergessen werden darf.

Gedenkkonzert der Akademischen Bläserphilharmonie Wien

  • 27. Januar 2025
  • 19.30 Uhr
  • im Grossen Saal des Wiener Musikvereins
  • unter Mitwirkung der Weinweite Kinder- und JugendChöre der Musikschule der Stadt Wien

Mehr Infos und Tickets

Was fasziniert Sie an ihrem Orchester?

Neben dem weichen, runden Klang der Bläserphilharmonie fasziniert mich die Bereitschaft der Musizierenden, sich den grossen Originalwerken der Blasorchesterliteratur zu widmen.

Wie sind Sie auf die dritte Symphonie von Trachsel gestossen?

Ich habe mir die Partituren der ersten drei Symphonien von Thomas Trachsel vor vielen Jahren gekauft, bin aber nie dazu gekommen, sie zu studieren. Da ein Jugendchor mit über 100 Sängerinnen und Sängern mitwirkt, war ich auf der Suche nach einem Werk für diese Besetzung – und da habe ich mich an diese Symphonie erinnert.

Was fasziniert Sie an Trachsels Werken im Allgemeinen, was an der dritten Symphonie im Speziellen?

Es ist vor allem die thematische Verarbeitung und der Zugang zur Blasmusik als Kunstmusik. Die dritte Symphonie ist dafür ein Paradebeispiel.

Das Werk ist für ein grosses Blasorchester und für einen Kinder- oder Frauenchor geschrieben. Welche Chöre werden mitwirken?

Die Jugendchöre der Singschule Wien unter der Leitung von Christiane Fischer werden mit uns musizieren.

Mädchenchor der Singschule Wien Foto: Ina Holzknecht
Die Jugendchöre der Singschule Wien muss man einfach gehört haben, hier am gemeinsamen Konzert 2023.

Was zeichnet diese Chöre aus?

Der Klang der Kinderstimmen mit ihrer Homogenität, die fantastische Arbeit der Musikschul-Lehrpersonen der Singschule … man muss es einfach hören!!!

Konzert im Grossen Saal des Wiener Musikvereins Foto: Ina Holzknecht
Bei ihrem letzten Konzert im Goldenen Saal führte die Akademische Bläserphilharmonie die 4. Symphonie von Johan de Meij mit ca. 250 Kinderstimmen auf.

Warum haben Sie für dieses Konzert den Goldenen Saal des Wiener Musikvereins ausgesucht?

Die Akustik ist einzigartig!

Wie wird die Schweizer Blasmusik in Österreich wahrgenommen?

Im Osten Österreichs wird sie nicht wirklich wahrgenommen und noch seltener werden Schweizer Werke gespielt. Aber das kann sich ja noch ändern.

Akademischen Bläserphilharmonie Wien beim Konzert 2023 im Grossen Saal Foto: Ina Holzknecht
Das Hauptanliegen der Bläserphilharmonie ist es, gute Originalwerke für Blasorchester aufzuführen.

Die Akademische Bläserphilharmonie Wien

Seit seiner Gründung im Jahr 1994 setzt sich das junge symphonische Blasorchester mit Sitz an der Technischen Universität (TU) Wien grossteils aus Studentinnen und Studenten sowie Absolvierenden der TU Wien und anderer Wiener Universitäten zusammen.

Darüber hinaus besteht das international besetzte Orchester aus vielen engagierten Musikerinnen und Musikern der unterschiedlichsten Berufs- aber auch Altersgruppen und umfasst somit eine grosse Altersspannweite.

Das Orchester hat sich zum Ziel gesetzt, hochwertige, wenngleich auch anspruchsvolle Originalkompositionen zu erarbeiten, sein Publikum in besonderen Konzertlocations zu begeistern und damit die symphonische Blasmusik zu bereichern.

Unter anderem hat es in den letzten Jahren Konzerte im Grossen Saal des Wiener Musikvereins, im Wiener Konzerthaus, im MuTh – dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben sowie vielen anderen renommierten Konzertsälen in Wien, den anderen Bundesländern Österreichs und im Ausland gespielt.

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