Volksmusik oder Volksmusiken?

Porträt von Jean-Marc Richard

Beitragsbild: RTS/Anne Kearney

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Volksmusik oder Volksmusiken? Der Unterschied liegt zuerst einmal in der Endung «en», geht jedoch darüber hinaus. Wer zu behaupten wagt, dass es nicht nur eine, sondern mehrere Volksmusiken gibt, hat es manchmal nicht leicht. So wurde die Aussage, dass es nicht nur eine Schweizer Musik gibt, sondern mehrere, lange Zeit als Denkmalsturz, wenn nicht gar als Ketzerei empfunden.

Als ich zum Kiosque à Musiques kam, fügte ich zu «musique» ein «s» hinzu (Kiosk der Musiken), weil die Sendung für mich Ausdruck musikalischer Vielfalt war. Das «Mehrzahl-s» stand für die Offenheit, die mir in diesem Bereich bereits als Realität erschien – ausser, wenn es politisch instrumentalisiert wurde.

Die Zeiten, in denen «Nein zu Europa» auf Akkordeons zu lesen war, sind vorbei, vor allem weil die Musikerinnen und Musiker sowie diejenigen, die ihnen Gehör verschaffen, diese Instrumentalisierung nicht mehr wollten. Sie warf nämlich ein schlechtes Licht auf die Volksmusik und vor allem auf ihre Künstlerinnen und Künstler.

Heute ist die Volksmusik zunehmend bunter, lebendiger und offener für die Schweiz und die Welt.

Bei der Vorbereitung nationaler Sendungen und Veranstaltungen vergassen meine Deutschschweizer Kollegen manchmal noch vor einigen Jahren, dass sie nicht DIE SCHWEIZ waren, sondern ein Teil davon. Aber die gemeinsame Arbeit und das gemeinsame Engagement für Veranstaltungen wie die bevorstehende in Biel/Bienne bringen uns einander näher und fördern das «Miteinanderleben» mehr denn je.

In der Musikwelt sind alle eidgenössischen Feste von Bedeutung, doch das Fest der Blasmusik im Jahr 2026 wird einen besonderen Reiz und eine besondere Dimension haben.

Wir wollen nicht feiern, bevor wir das Fest erlebt haben, aber die Vorbereitung ist ein Beispiel für das Prinzip «Einer für alle, alle für einen». Das gilt natürlich für die Organisatoren, aber ebenso für die Medien, die seit vielen Monaten an diesem Abenteuer beteiligt sind.

Eine zweisprachige Stadt, die diese Besonderheit pflegt, erinnert uns daran, dass das Land nicht nur einer einzigen Sprachgemeinschaft angehört, und dass wir alle, auch ohne zweisprachig zu sein, gemeinsam einen Moment erleben, in dem die Zeit und vieles Weitere vorübergehend stillsteht …

Mehr als ein «s», bzw. auf Deutsch ein «en» hier und da? Ja, ein «Mehrzahl-s» gehört überall hin, wo man von Vielfalt spricht.

Porträt von Jean-Marc Richard Foto: RTS/Anne Kearney
Jean-Marc Richard, Radiomoderator (RTS)

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