Rafael Camartin sagt von sich, er sei über einen pragmatischen Entscheid endgültig zum Dirigieren gekommen. Sein Erfolg hat auch mit Wertschätzung zu tun.
Wie Dirigenten einen Klang formen können und effizient Leistung einfordern – das hat den jungen Rafael Camartin begeistert. Der Brass-Fan spielte zu dieser Zeit in der Brass Band Bürgermusik Luzern und bewunderte Dirigentenpersönlichkeiten wie Ludwig Wicki, Rino Chiappori, Corsin Tuor und Thomas Rüedi.
Bis dahin hatte der in Brigels GR geborene Camartin schon einen weiten Weg hinter sich. Als Jugendlicher hat er erlebt, wie Musik verbindet und motiviert. Trotzdem stand das Musizieren zeitweise auf der Kippe. Erst als ihn die Eltern in ein Musiklager schickten, kehrte die Begeisterung allmählich zurück.
Erste Dirigiererfahrungen
Während des Studiums in Luzern übernahm Rafael Camartin seinen ersten Verein – auch, um Geld zu verdienen. Der Dirigentenkurs bei Isabelle Ruf-Weber vermittelte ihm die Freude an der Bewegung. Prägend für seinen weiteren Weg war die Ausbildung bei Ludwig Wicki. Bei dieser kam zur Begeisterung für das Dirigieren auch die Bedeutung von Präzision, effizienter Probenarbeit und musikalischer Klarheit hinzu. Statt den Trompetenansatz für das Konzertdiplom vollständig umzustellen entschied sich Camartin schliesslich für den Weg des Dirigierens.
Der Satz «Erst wenn man eine Band hat, sieht man, wie schwierig es ist, sie zum Klingen zu bringen», fasst seine damaligen Erfahrungen gut zusammen. Inzwischen blickt Camartin auf viele Jahre Dirigiertätigkeit zurück und durfte mit verschiedenen Vereinen bedeutende Erfolge feiern, zuletzt den Doppelsieg mit der MG Konkordia Aedermannsdorf am Eidg. Musikfest in Biel.
Im Rückblick sagt der Dirigent, in der Ausbildung lerne man vor allem Theorie, Technik und den Respekt vor einer Komposition. Weniger Raum erhielten Themen wie Kommunikation, Motivation, Konfliktlösung oder Menschenführung. Zum Dirigieren gehöre jedoch weit mehr als Schlagtechnik. Es gehe darum, unterschiedlichste Menschen zusammenzubringen.
Rafael Camartin persönlich
- Instrument: Trompete
- Vereine: MG Flühli, BB Imperial Lenzburg, MV Schindellegi-Feusisberg, BB Berner Oberland, MG Konkordia Aedermannsdorf
- Alter: 46
Erfolgsfaktoren
Wenn man fordert und gleichzeitig die Musik erleben darf, mache es Spass, findet der Bündner. «Wie kann ich meine Musizierenden lesen und verstehen?» sei eine der wichtigsten Fragen eines Dirigenten. Ebenso wichtig seien Selbstorganisation und Selbstmanagement, die in der Ausbildung oft nur am Rand behandelt würden.
Bei der Arbeit im Verein setzt Camartin auf ein familiäres und respektvolles Verhältnis. Musikalischer Erfolg entstehe auf Augenhöhe. Ein Dirigent müsse führen und eine klare Richtung vorgeben, gleichzeitig aber auch Vertrauen schaffen und die Musikerinnen und Musiker für eine gemeinsame Idee gewinnen.
Als störend an der Blasmusik empfindet er vor allem den grösser gewordenen Leistungsdruck. Wettbewerbe könnten unglaublich motivierend sein. Problematisch werde es erst dann, wenn die Angst vor Fehlern grösser werde als die Freude am Musizieren.
Unterschätzt wird laut ihm auch der Einfluss von Absenzen, Probendisziplin und Konzentration während der Probe. Musikalische Entwicklung entstehe nicht nur durch Informationen. Wer eine Probe versäumt, verpasse auch den Weg, wie musikalische Ideen entstehen und weiterentwickelt werden. Die hohe Präsenz in den Proben betrachtet Camartin deshalb als einen wichtigen Erfolgsfaktor.
Gemeinsam den Klang erarbeiten
Die wichtigste Aufgabe eines Dirigenten besteht für ihn darin, den Musikerinnen und Musikern Raum zu geben, sich gegenseitig zuzuhören. Jede Band und jedes Orchester habe einen eigenen Klang, den es gemeinsam zu entwickeln gelte. Dabei beginne Klang nicht erst mit dem ersten Ton, sondern bereits mit der Atmung.
Ständiges Lernen
Trotz aller Erfahrung betrachtet sich Camartin bis heute als Suchenden. Ein guter Dirigent habe nie ausgelernt. Er beobachte andere Dirigenten, besuche Proben und versuche ständig, dazuzulernen. Entscheidend sei jedoch nicht, andere zu kopieren, sondern den eigenen Weg zu finden und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Probenvorbereitung
- Phrasierungen (Form, Taktgruppen)
- Melodische Linien, Nebenstimmen
- Motiv- und Themenverarbeitung
- Dynamische Bögen
- Harmonische Erarbeitung
- Übergänge dirigieren
- Probenablauf*
- Hauptstück*
- Reflexion
*jedes Beurteilungskriterium dabei mindestens einmal ansprechen